HU-Berlin

Seminar für Afrikawissenschaften

Institut für Asien- und Afrikawissenschaften
Philosophische Fakultät III der Humboldt-Universität zu Berlin

 
Hausa
Die Hausa-Sprache

Das Hausa gehört zur tschadischen Sprachfamilie, die wiederum ein Zweig der afroasiatischen Sprachen ist. Zu diesen gehören auch die semitischen, kuschitischen und omotischen Sprachen, sowie das Berber und das Altägyptische.

Das Kerngebiet des Hausa erstreckt sich vom Norden Nigerias bis in den Süden des Niger. In Nordnigeria wird der Unterricht in den Grundschulen in Hausa gehalten. Zudem kann die Sprache an den Universitäten beider Regionen sowie an verschiedenen Universitäten in Europa und Amerika studiert werden. Außerdem werden sowohl von den nationalen Radio- und Fernsehsendern in Nigeria als auch von verschiedenen internationalen Radiostationen, wie der British Broadcasting Corporation, der Deutschen Welle und Voice of America, Programme auf Hausa ausgestrahlt.

Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen ist Hausa seit ca. 150 Jahren.

Wer sind die Sprecher des Hausa?

Die Hausa setzen sich aus der überwiegend muslimischen Bevölkerung des nördlichen Nigeria und der angrenzenden Landesteile des Niger zusammen. Traditionell waren die Hausa in großen und zentralisierten Stadtstaaten organisiert.

Der Name "Hausa" bezieht sich ursprünglich auf die Sprache der "Hab'e"-Bevölkerung dieser Region, die in sieben unabhängigen, aber eng miteinander verbundenen Staaten (Biram, Daura, Kano, Katsina, Gobir, Rano und Zazzau) organisiert waren. Diese "Hab'e"-Staaten wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts von den Fulani, die unter der Führung von Uthman d'an Fodio zum "Heiligen Krieg" (Djihad) gegen die "Hab'e" aufgebrochen waren, unterworfen.

Noch heute aber leben im Hausaland verstreut Tausende Hausa, die niemals zum Islam konvertiert sind, noch immer der traditionellen Religion anhängen und den "Bori"-Kult praktizieren. Diese traditionalistischen, nichtmuslimischen Hausa werden "Maguzawa" genannt. Neben ihnen gibt es aber auch viele Hausa, die sich zum Christentum bekennen. Sie leben v.a. in den nigerianischen Bundesstaaten Kano und Katsina sowie im Emirat Zaria im Bundesstaat Kaduna.

Heute leben die Hausa von Nigeria vorwiegend in den Bundesstaaten Jigawa, Kebi, Kano, Katsina, Sokoto, Zamfara und dem, schon erwähnten Emirat von Zaria im Bundesstaat Kaduna. Die meisten muslimischen Hausa, die in den ländlichen Regionen leben, sind Teilzeitfarmer und zugleich Saisonarbeiter, während die nichtmuslimischen Hausa zumeist Vollzeit-Subsistenzfarmer sind.

Die Basis des Speiseplans der Hausa bilden Getreide, wie Hirse, Mais, Guineakorn und Reis. Sie werden durch eine Vielzahl anderer Feldfrüchte ergänzt. Erdnüsse, Augenbohnen, Süßkartoffeln, Baumwolle, Zuckerrohr, Tabak, Maniok (Kassava) und andere Wurzelgemüse werden für den eigenen Bedarf und den Handel angebaut. Neben dem Feldbau verdienen sich die Hausa ihren Lebensunterhalt auch durch Nutzviehhaltung. Zu den Haustieren gehören Pferde, Esel, Ziegen, Schafe und Geflügel. Einige von ihnen werden v.a. für die Feldarbeit gehalten.

Die Bedeutung des Hausa

Hausa ist die Muttersprache von schätzungsweise 22 Millionen Menschen. Zudem beherrschen es weitere 17 Millionen Menschen als Zweitsprache. Nicht nur in Nigeria und Niger, sondern auch in vielen anderen Ländern spielt Hausa eine bedeutende Rolle. So gibt es z. B. in Ghana eine große Gruppe von Hausa-Muttersprachlern, und Hausa ist aufgrund dessen eine der sechs "ghanaischen" Sprachen, die von der Ghana Broadcasting Company für die tägliche Berichterstattung im Radio genutzt werden. Hausa ist auch die Verkehrssprache der muslimischen Gemeinden in anderen Ländern Westafrikas, wie z.T. im Süden Malis (wo eigentlich Bambara die Lingua Franca ist) und im Osten Senegambiens (wo das Wolof die wichtigste Verkehrssprache ist). Es wird auch in der Republik Benin und in Togo gesprochen, und es ist eine Tatsache, dass jede größere Stadt in Westafrika eine große Hausa-Gemeinde ist, die sich meist in der Nähe des Marktes angesiedelt hat.

Es fällt auf, dass Hausa in allen Regionen, in denen es gesprochen wird, bemerkenswert einheitlich hinsichtlich der Aussprache, des Wortschatzes und der Struktur der Sprache ist. Tatsächlich sind die unterschiedlichen regionalen Varietäten des Hausa untereinander besser verständlich.

Als Standard-Hausa gilt im allgemeinen das "Kano-Hausa", das nach der wichtigsten Stadt des Hausa-Sprachgebietes benannt ist. Dieser Dialekt ist derjenige, der in allen Printmedien, die auf Hausa veröffentlicht werden, einschließlich der hausasprachigen Zeitungen Nigerias, verwendet wird. Er sit auch der Dialekt, der in den anderen Medien zu hören ist. Dies schließt sowohl die beiden nigerianischen Radiosender, das Fernsehen als auch die internationalen Hausa- Radioprogramme ein. Dieser Dialekt wird auch an der Humboldt-Universität unterrichtet.


Sprachwissenschaft: Das Hausa, seine Phonologie und seine Struktur

Das Konsonantensystem des Hausa enthält einige Konsonanten, die es im Deutschen nicht gibt. Außerdem existiert der Doppellaut "ts", der durch einen nach innen gerichteten Luftstromartikuliert wird.

Das Hausa verfügt über fünf Vokale: i, e, a, o und u. Diese Vokale können kurz oder lang ausgeprägt sein.


BSP:         kurz:     /a/ = tarà - "neun"
                       /u/ = dukà - "alles"
             lang:    /aa/ = taaràa - "sammeln"
                      /uu/ = duukàa - "schlagen"

Zudem unterscheidet das Hausa drei verschiedene Töne: hoch, tief und einen fallenden Ton. Jede Silbe eines Wortes hat im Verhältnis zu den anderen Silben des Wortes eine eigene Tonhöhe.


BSP:           hoch:         baabaa - "Baum"
               tief:         bàabaa - "Eunuch"
            fallend:         wâa    - "Bruder"
               tief:         wàa    - "wer"

Der Satzbau des Hausa ist wie im Deutschen: Subjekt Verb Objekt (SVO). Z.B.:bellò yaa dàuki bàkaa - "Bello (er) nahm das Buch."


Die Ursprünge der Schriften des Hausa und seiner Literatur

Anfang des 17. Jahrhunderts begannen islamische Gelehrte, Hausa mit Hilfe der arabischen Schriftzeichen zu transkribieren. Sie schufen das Ajami, wie man das arabische Alphabet auch nennt, wenn man es nutzt, um Hausa zu schreiben. Vorrangiges Ziel dieser Gelehrten war es, ihre Religion, den Islam, auf dem Weg über religiöse Literatur zu propagieren. Dementsprechend handelte es sich bei der Literatur, die in Ajami entstand, v.a. um Poesie, die Allah und seinen Propheten Mohammed preist, und Übersetzungen arabisch-islamischer Literatur, aber auch um Sammlungen oraler Literaturformen. Seine höchste Bedeutung erlangte das Ajami im 18. und 19. Jahrhundert. Es findet auch heute noch Anwendung, auch wenn es im Schatten des Boko (Hausatranskription auf Grundalge des lateinischen Alphabets) steht.

Die Ursprünge des Boko liegen in der Zeit der ersten europäischen Forschungen über Hausa und der Kolonisation des Hausalandes im 19. Jahrhundert. Damals wurde ein Übersetzungsbüro eingerichtet, dessen Aufgabe es war, Bücher und andere schriftliche Materialien vom Ajami ins Boko zu übertragen. Mit den Massenalphabetisierungsprogrammen auf der Grundlage des Boko der 1950er Jahre gewann es erheblich an Bedeutung. Die Ausbreitung von Büchern in Boko festigte die Dominanz des lateinisierten Hausa weiter.

Heute sind die verschiedensten schriftlichen Materialien auch auf Hausa verfügbar. So gibt es Romane unterschiedlichsten Stils, deren Themenspannbreite von den alten moralisierenden Geschichten bis zu Fantasieromanen reicht. Es gibt aber auch Märchen, Lieder, Poesie und Gedichte, politische Werke sowie zahlreiche Aufklärungsbücher zu Themen wie Gesundheit, Erziehung, Religion, Geschichte, Landwirtschaft, Gesetze und Mathematik.


Empfohlene Literatur:

Adamu, M. 1978. The Hausa Factor in West African History. Zaria: Ahmadu Bello University Press
Adamu, M. 1984. "The Hausa and their neighbours in the central Sudan", in:General History of Africa. IV: Africa from the twelfth to the sixteenth century. D.T. Niane (ed.), Californica: University of California Press.
Cowan, J R. and Russell G. Schuh 1976. Spoken Hausa, Ithace, NY: Spoken Language Services.
Charles H. Kraft and A.H.M. Kirk-Greene 1973. Teach Yourself Hausa, London: The English Universities Press, Ltd.
Graham L. Furniss 1996, Poetry, prose and popular culture in Hausa. Edinburgh: Edinburgh University Press.
Yahaya Y. Ibrahim 1988. Hausa a Rubuce: Tarihin Rubuce-Rubuce cikin Hausa, Zaria: NNPC.