Berliner Journal für Soziologie
 
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Berliner Journal für Soziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Tel.: 030-2093-4355/-4356/-4357
Fax: 030-2093-4365
BJournal@sowi.hu-berlin.de

 

 

 

Stand 29.04.2007

Archiv



Zusammenfassungen 2001






















Zusammenfassungen 2001
Heft 1/2001
 
Marilyn Rueschemeyer
Frauen und Politik in Osteuropa: 10 Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus

Drei Aspekte stehen im Mittelpunkt des Aufsatzes: Erstens geht es um die Partizipation von Frauen am politischen Leben im Allgemeinen, zweitens um den Anteil von Frauen innerhalb gew■hlter politischer Eliten und schlie▀lich um die Berčcksichtigung von Fraueninteressen und -belangen in der Politik. Diese Aspekte sind auf komplexe Weise miteinander verbunden. Sie werden nicht in gesonderten Abschnitten bearbeitet, wohl aber analytisch getrennt. Zun■chst zeigt ein Rčckblick auf die kommunistische Çra die Bedeutung der Integration von Frauen in die Erwerbssph■re und eine damit zusammenh■ngende spezifische Bereitschaft von Frauen, sich nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes am politischen Leben zu beteiligen. Dann werden einige Implikationen der gesellschaftlichen Transformation in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerčckt, die fčr die politische Partizipation von Frauen relevant sind. Es folgt eine Diskussion darčber, welche Konsequenzen Wahlordnungen wie auch jeweilige parteipolitische Positionen auf den Wahlerfolg von Frauen haben. Abschlie▀end werden soziale Faktoren, die den Erfolg von Frauen im politischen Leben beeinflussen, zusammengefasst, und es werden Perspektiven des Wandels angerissen.
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Irene DÜlling
10 Jahre danach: Geschlechterverh■ltnisse in Ver■nderung

Die aktuellen Umbauprozesse moderner Gesellschaften sind mit Ver■nderungen in den Organisationsformen des Geschlechterverh■ltnisses, von Geschlechterregimen und -arrangements verbunden. Im Artikel werden diese Ver■nderungen unter drei Gesichtspunkten diskutiert: Erstens werden in einem Rčckblick auf Ver■nderungen in der Situation ostdeutscher Frauen bzw. in den ostdeutschen Geschlechterarrangements deren ambivalente Wirkungen in den ver■nderten gesellschaftlichen Kontexten aufgezeigt. Zweitens werden Entwicklungen skizziert, die zu neuen sozialen Grenzziehungen und Ungleichheiten fčhren und gefragt, ob und wie diese mit der Geschlechterdifferenz bzw. mit einer Neufiguration von Geschlechterarrangements verknčpft sind. Drittens wird auf konzeptionelle Herausforderungen eingegangen, die sich aus diesen Entwicklungen fčr Frauen- und Geschlechterforschung abzeichnen.
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Ellen Kuhlmann/Hildegard Matthies
Geschlechterasymmetrie im Wissenschaftsbetrieb. Eine vergleichende Fallstudie in au▀eruniversit■ren Forschungsinstituten

In diesem Beitrag analysieren wir die Geschlechterasymmetrie in au▀eruniversit■ren Forschungsinstituten. Wir rčcken die Organisationen ins Zentrum und fragen nach Gestaltungsoptionen und Barrieren bei der Herstellung von Geschlechtersymmetrie. In welchem Verh■ltnis stehen die Arbeitssysteme und die F■higkeiten und Interessen der Besch■ftigten? Welche Inkompatibilit■ten zeichnen sich ab, welchen Einfluss haben diese auf geschlechtsdifferente Karrierechancen? Diesen Fragen gehen wir in einer vergleichenden Fallstudie in ausgew■hlten Instituten der "Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz" (WGL) nach. Als zentrales Problem zeichnet sich die Inkompatibilit■t der Arbeitssysteme und Karrierepfade mit den Karriereaspirationen ab. Dies gilt fčr Frauen wie fčr M■nner, erst im Zusammenspiel unterschiedlicher Einflčsse treten differenzkonstruierende Mechanismen hervor. Insbesondere die fehlende Definitionsmacht der Individuen čber das Verh■ltnis von lebensweltlicher und beruflicher Sph■re erweist sich als nachteilig fčr Frauen. Heterogene Forschungsarrangements mit divergierenden Anforderungen an die Organisation hingegen scheinen Symmetrie zu begčnstigen.
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Joanna Regulska
Vergeschlechtlichte Integration in Europa: Neue Formen der Exklusion*

Wie sich der Prozess der EU-Erweiterung zu Geschlechterfragen verh■lt, ist Gegenstand dieses Aufsatzes. EU-Fallstudien čber drei Beitrittsl■nder bilden die empirische Grundlage fčr die Analyse: Tschechien, Polen und Slowenien. Der Artikel besteht aus drei Teilen. Der erste Teil befasst sich mit dem gesetzlichen Rahmen der EU und insbesondere mit dem Geschlechterkontext in der EU-Politik und den Standards, die den zukčnftigen Mitgliedern auferlegt werden. Der zweite Teil umrei▀t die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Frauen in diesen L■ndern leben, arbeiten und sich um ihre Partner, Familien und Freunde kčmmern. Der dritte Teil schlie▀lich untersucht die Genderdiskurse im Dialog der EU mit den Anw■rterl■ndern und befasst sich besonders mit den unterschiedlichen Reaktionen der Regierungen und der NGOs.
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Iris Peinl/Susanne VÜlker
Arbeit und Geschlechterverh■ltnisse im Umbruch: (Des)Integration der Lebenssph■ren?

Ausgehend von dem Umbruch der Erwerbsarbeit in Richtung einer flexibilisierten, markteffizienten Tertiarisierung fragen wir nach Chancen fčr Frauenerwerbsarbeit. Dabei richten wir den Blick insbesondere auf das Verh■ltnis zwischen Erwerbssph■re und au▀erbetrieblichem Leben. Die Ausgangsthese lautet: Dem Umbruch der Arbeit sind "Entgeschlechtlichungstendenzen" inh■rent. Diese werden jedoch sowohl von čberdauernden Geschlechterungleichheiten, als auch durch die Verdr■ngung gesellschaftlicher Reproduktionsnotwendigkeiten in das "Private" als (neu konfigurierte) "Vergeschlechtlichungsprozesse" konterkariert. Als Ergebnis zeigen sich zwiesp■ltige Integrations- aber auch zunehmend Desintegrationseffekte fčr "weibliche" Erwerbsarbeit. Diese These wird mit Befunden einer empirischen Untersuchung bei der Deutschen Bahn AG erh■rtet, deren rigoroser Umbau hin zu bÜrsenf■higer Wirtschaftseffizienz u.E. paradigmatisch fčr Unternehmensreorganisationen gelten kann. Das Fazit lautet: Nur čber eine konsensuale Arbeitspolitik, die die Symmetrierung der au▀er- und innerbetrieblichen Lebensbereiche beinhaltet, ist eine nachhaltige Chancenerweiterung fčr Frauenerwerbsarbeit mÜglich. Sie ist - mittelfristig - auch die Voraussetzung fčr eine "geschlechtsneutrale" Bestenauslese der Unternehmen und damit ihrer Wirtschaftseffizienz.
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Thomas Lemke
Max Weber, Norbert Elias und Michel Foucault čber Macht und Subjektivierung

Innerhalb der deutschen Soziologie wurde die Arbeit Michel Foucaults bisher eher verhalten rezipiert. Immer wieder ist in der Auseinandersetzung mit seinen Texten auf zentrale theoretische Defizite und begriffliche Verengungen der Machtanalytik hingewiesen worden. Im Rahmen eines Theorievergleichs mit Max Webers Herrschaftssoziologie auf der einen und der Theorie der Zivilisation von Norbert Elias auf der anderen Seite sollen in diesem Beitrag die analytischen St■rken der "Genealogie der Macht" herausgearbeitet werden. Dabei wird die These vertreten, dass sich schwer wiegende Probleme der beiden Theorieans■tze durch den Rekurs auf das Foucaultĺsche Konzept der Gouvernementalit■t čberwinden lassen. Die Problematik der Gouvernementalit■t erschlie▀t - so die weiter gehende Annahme - der soziologischen Machtforschung eine Reihe innovativer Forschungsperspektiven und Üffnet sie fčr neue Fragestellungen.
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Zusammenfassungen 2001
Heft 2/2001
 
Wolfgang Merkel
Soziale Gerechtigkeit und die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus

Der Aufsatz verbindet die normative Diskussion čber Soziale Gerechtigkeit in der politischen Philosophie mit empirischen Ergebnissen aus der Sozialstaatsforschung. Damit verknčpft er zwei Diskussionsstr■nge, die bisher meist isoliert voneinander verlaufen sind. Die Argumentation wird čber die Beantwortung von vier Fragen entfaltet. Der normativen Frage: welche regulativen Leitideen liefert die Gerechtigkeitsdebatte in der politischen Philosophie? Der handlungstheoretischen Frage: welche Urteilskriterien und Handlungspr■ferenzen lassen sich fčr eine gerechtigkeitsorientierte Politik gewinnen? Der empirischen Frage: Wie lassen sich die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus auf dem Hintergrund der hierarchisch geordneten Gerechtigkeitskriterien beurteilen? Sowie schlie▀lich der institutionellen Frage: welche institutionelle Logik eine (notwendig gewordene) Reform des Sozialstaats tragen soll, wenn diese gleichzeitig sozial gerecht sein und eine realistische Aussicht auf ihre Verwirklichung haben soll.
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Thorsten Bonacker
Hat die Moderne einen normativen Gehalt? Zur MÜglichkeit einer kritischen Gesellschaftstheorie unter Kontingenzbedingungen

Das Projekt einer kritischen Gesellschaftstheorie steht und f■llt seit ihren Anf■ngen mit der Begrčndung ihres normativen Standpunktes, der den Hintergrund fčr eine kritische Gesellschaftsdiagnose bereitstellt. Vor der Soziologie war dieser Standpunkt insofern unproblematisch, als die moderne Gesellschaft mehrere normative Diskurse pflegte, mit denen sie ihren normativen Gehalt zu rekonstruieren versuchte. Die soziologische Entdeckung der Kontingenz hat demgegenčber den Zweifel gen■hrt, dass ein solches Projekt einer kritischen Gesellschaftstheorie unter Kontingenzbedingungen čberhaupt mÜglich ist. Kontingenz und normative Begrčndung scheinen sich sp■testens seit Weber auszuschlie▀en. Adornos kritische Theorie hat versucht, dieses Problem durch zwei widerstreitende Argumente zu lÜsen: durch ein geschichtsphilosophisches und ein erkenntniskritisches. Das geschichtsphilosophische ist von Habermas in eine Diskurstheorie transformiert worden, w■hrend das erkenntniskritische zwar Eingang in die postmoderne Gesellschaftstheorie Baumans gefunden hat, aber durch eine anthropologische Lesart entsch■rft wurde. Der am Schluss des Aufsatzes vorgeschlagene Weg der Neufassung einer Begrčndung kritischer Gesellschaftstheorie versucht dagegen zu zeigen, dass sich aus einer erkenntniskritischen Argumentation eine normative Konsequenz ziehen l■sst: Die erkenntniskritisch aufgezeigte Unbegrčndbarkeit von Normen ist dann nicht l■nger ein Argument gegen eine kritische Gesellschaftstheorie. Sondern sie zeigt, inwiefern sich die Unbegrčndbarkeit als normativer Gehalt der modernen Gesellschaft verstehen l■sst.
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Andreas Reckwitz
Multikulturalismustheorien und der Kulturbegriff: Vom Homogenit■tsmodell zum Modell kultureller Interferenzen

Das Konzept des "Multikulturalismus" erscheint zur Analyse von Gegenwartsgesellschaften ebenso wegweisend wie diffus, was nicht zuletzt auf die Uneindeutigkeit des Kulturbegriffs zurčckzufčhren ist. Es werden zun■chst die Konnotationen des Kulturbegriffs in den beiden avanciertesten sozialphilosophisch ausgerichteten Theorien des Multikulturalismus bei Charles Taylor und Will Kymlicka herausgearbeitet. Beide Theoretiker erweisen sich als Repr■sentanten eines "homogenit■tsorientierten" Multikulturalismusmodells kultureller Gemeinschaften. Es zeigt sich, dass dieses Kulturverst■ndnis im totalit■tsorientierten Kulturbegriff der Tradition Herders wurzelt, dem ein neuerer bedeutungsorientierter Kulturbegriff entgegengestellt werden kann, welcher die Identifikation von Wissensordnungen mit Gemeinschaften aufgibt. Damit kann ein alternatives Modell des Multikulturalismus formuliert werden, das auf dem Konzept "kultureller Interferenzen", das hei▀t der simultanen Wirksamkeit unterschiedlicher "background languages" in Kollektiven basiert, und das zwischen der Struktur impliziter Wissensvorr■te und den Selbstbeschreibungsdiskursen von Kollektiven differenziert.
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Edward A. Tiryakian
Der Kosovo-Krieg und die Rolle der Vereinigten Staaten. Eine strukturfunktionalistische Analyse milit■rischer Intervention in ethnischen Konflikten

Dem Krieg als Ph■nomen der Moderne hat die Soziologie nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet, obgleich er eine zentrale Rolle bei der Konstruktion nationaler Identit■ten und der Periodisierung der Geschichtsschreibung spielt. Das Verh■ltnis von Krieg und ethnischem Konflikt bei einer Intervention von Seiten Dritter (im Falle ethnischer Spannungen) ist ein wichtiger neuer Untersuchungsbereich sowohl der Soziologie des Krieges als auch der vergleichenden Forschung ethnischer Konflikte. Der Kosovo-Krieg von 1999 bietet sich fčr eine derartige Analyse an: demokratische Staaten des Westens begannen unter Fčhrung der Vereinigten Staaten und der NATO einen Krieg gegen einen Balkanstaat, in dem ethnische Konflikte ausgetragen wurden. Auf welche Weise wurde dieser bislang einmaligen NATO-Aktion Legitimation verschafft? Welche Faktoren spielten eine Rolle bei dieser dramatischen milit■rischen Intervention, mit der die internationale Norm der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten verletzt wurde? Der Aufsatz stellt einen Versuch dar, in die Diskussion čber diesen jčngsten Konflikt auf dem Balkan - eine Region, die w■hrend des gesamten 20. Jahrhunderts von ethnischen Konflikten heimgesucht wurde - einzugreifen und diese zu erweitern. Die folgende Analyse des Konfliktes bedient sich dabei des von Robert K. Merton entwickelten strukturfunktionalistischen Ansatzes. Neben dem humanit■ren Beistand als wichtiger manifester Funktion, die w■hrend der gesamten Intervention bei der Mobilisierung von Unterstčtzung und Verst■ndnis fčr die fortgesetzten Luftangriffe im Vordergrund stand, mčssen fčr ein umfassendes Verst■ndnis auch latente Funktionen sowie unbeabsichtigte kurz- und langfristige Folgen dieses Krieges berčcksichtigt werden. Eine abschlie▀ende Betrachtung geht ausfčhrlich der Frage der Verantwortung im Falle ethnischer Konflikte nach und berčcksichtigt hierbei die Rolle demokratischer Staaten, die intervenieren, um ethnische Konflikte zu entsch■rfen. Die Modernit■t "virtueller Kriegsfčhrung" verdeutlicht die Verantwortung der Massenmedien, vor allem des Fernsehens.
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Karin Gottschall
Zwischen terti■rer Krise und terti■rer Zivilisation. Zur sozialwissenschaftlichen Analyse von Dienstleistungsgesellschaften

Gesellschaftstheoretische Zug■nge zur Analyse von Dienstleistungsgesellschaften sind noch vergleichsweise jung. Als Klassiker kann FourastiÚs Analyse der Expansion von Dienstleistungen in westlichen Industriegesellschaften einschlie▀lich der These einer "terti■ren Zivilisation" gelten. Sie markiert einen bis in die aktuelle gesellschaftstheoretische Diskussion anschlussf■higen Interpretationshorizont fčr den Wandel von Arbeits- und Konsumformen, gerade weil sie Ükonomische Engfčhrungen vermeidet. Gleichwohl, so die weitere Argumentation, bedčrfen FourastiÚs Analyse wie auch deren kritische Weiterfčhrungen, etwa durch Berger/Offe, einer Geschlechtssensibilisierung im Sinn einer st■rkeren Berčcksichtigung der geschlechterkulturellen ▄berformung von Dienstleistungsarbeit und privater Sorgearbeit. Hier sind Ans■tze der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung ertragreich. Angesichts krisenhafter wie zivilisatorischer Potenziale von Dienstleistungsentwicklung bleiben freilich forschungsstrategische und normativ-gesellschaftspolitische Herausforderungen bestehen.
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Bruno Latour
Eine Soziologie ohne Objekt? Anmerkungen zur Interobjektivit■t

Der Aufsatz fčhrt das Objekt in die Konzeptualisierung von Gesellschaft ein und zeigt, wie hiermit der Konflikt zwischen "Mikro"- und "Makro"-Ans■tzen der sozialen Ordnung gelÜst werden kann. Die Analyse, die zentrale Paradigmen der Soziologie, der Ethnomethodologie und der Anthropologie kritisch befragt, fčhrt zu einer ver■nderten Konzeption des Akteurs und des Handelns: Indem diese Konzeption die Intersubjektivit■t durch die Interobjektivit■t erweitert, berčcksichtigt und symmetrisiert sie die spezifische Leistung menschlicher und nicht-menschlicher Akteure im Kontext "gerahmter Interaktionen", welche die menschliche Gesellschaft von der der Paviane unterscheidet.
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Zusammenfassungen 2001
Heft 3/2001
 
Valentin Rauer/Oliver Schmidtke
"Integration" als Exklusion? Zum medialen und alltagspraktischen Umgang mit einem umstrittenen Konzept

Dieser Beitrag versucht, sich auf der Grundlage einer Medienanalyse, qualitativer Interviews und Gruppendiskussionen dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Integrationsbegriff anzun■hern. Den Ausgangspunkt der empirischen Untersuchung bildet die Beobachtung, dass sich in der Üffentlichen Auseinandersetzung um die legitime inhaltliche Besetzung dieses Begriffs die konfligierenden Ansprčche der Mehrheitsgesellschaft und die Selbstwahrnehmung der von Integrationsgeboten betroffenen Immigrantengruppen spiegeln. Auf dieser Grundlage geht es nicht darum, nach den Motivationen und Strukturen von Integration zu fragen, sondern "Integrationsrahmungen" zu untersuchen, d.h. empirisch nachzuvollziehen, wie in deutschen Medien und von den Immigranten selbst der Begriff mit Bedeutung versehen, symbolisch aufgeladen und zur Grundlage politischer Forderungen herangezogen wird. Die Ergebnisse der diskurstheoretisch orientierten Untersuchung zeigen, dass sich "Integration" empirisch nicht nur als neutral-deskriptive Kategorie erweist, sondern soziale Lagen von Gruppen "be-zeichnet" und auf sie symbolische Macht ausčbt, die Gegenstrategien auslÜst. Die komparativen qualitativen Fallanalysen verschiedener Migrantengruppen in Deutschland verdeutlichen, dass "Integrationsrahmungen" nicht nur Konflikte in Einwanderungsgesellschaften sichtbar machen, sondern sie paradoxerweise auch reproduzieren.
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Herbert Willems
Tendenzen der Gegenwartskultur: Zwischen Normalismus und VergewÜhnlichung

Der Aufsatz thematisiert in konzeptueller und empirischer Hinsicht Aspekte von Normalit■t. Zum einen werden verschiedene Ans■tze behandelt, die Normalit■t als eine Ebene und als ein Resultat praktischer Wirklichkeitskonstruktion entwerfen. Als besonders anschlussf■hig und weiterfčhrend erweisen sich Konzepte und Argumente der Differenzierungstheorie, der Diskurstheorie, der Zivilisationstheorie, der Habitustheorie, der Rahmentheorie und der Stigmatheorie. Zum anderen ist es das Ziel, gegenl■ufige Entwicklungstendenzen in der Normalit■tskonstruktion der Gegenwartskultur zu identifizieren und aufzukl■ren. Diese Tendenzen werden unter den Titeln "Normalismus" (J. Link) und "VergewÜhnlichung" (J. Wei▀) diskutiert.
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Markus Schroer
Das gef■hrdete, das gef■hrliche und das Risiko-Individuum. Drei Argumentationslinien in der Individualisierungstheorie

Der Beitrag zeigt auf, dass Individualisierung kein Ph■nomen ist, dass erst die gegenw■rtige Soziologengeneration thematisiert. Vielmehr l■sst sich die Besch■ftigung mit der Individualisierung bis zu den Klassikern um die Jahrhundertwende zurčckverfolgen. Dabei lassen sich drei Argumentationsstr■nge unterscheiden, die sich ausgehend von den Klassikern bis in die Gegenwart verfolgen lassen. Der erste Argumentationsstrang reicht von Max Weber čber die Kritische Theorie bis Michel Foucault. Diese Richtung fasse ich unter dem Namen negative Individualisierung zusammen; das hier im Mittelpunkt stehende Individuum bezeichne ich als gef■hrdetes Individuum. Einer dieser Argumentationslinie entgegengesetzte zweite Richtung bringe ich mit Emile Durkheim, Talcott Parsons und Niklas Luhmann in Verbindung. Diese zweite Richtung firmiert in meinem Beitrag als positive Individualisierung, das von ihr behandelte Individuum bezeichne ich als gef■hrliches Individuum. Zwischen diesen beiden Richtungen vermittelt gleichsam eine dritte Argumentationslinie, die sowohl Gef■hrdungen fčr das Individuum ausmacht und auf Belastungen verweist als auch Chancen und MÜglichkeiten fčr die Individuen betont. Simmel, Elias und Beck stehen in meiner Argumentation fčr diese Richtung. Diese Linie wird unter dem Namen ambivalente Individualisierung vorgestellt; das dort behandelte Individuum als Risiko-Individuum bezeichnet. Der Beitrag schlie▀t mit einigen ▄berlegungen zur zukčnftigen Erforschung von Individualisierungsprozessen.
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Gert-Joachim Glae▀ner
Sicherheit und Ordnung. Politisch-soziologische Reflexionen zu einem (wieder) aktuellen Thema

Ausgangspunkt ist die Frage, wie in modernen Gesellschaften das Kollektivgut Sicherheit gew■hrleistet und die Üffentliche Ordnung aufrechterhalten werden kÜnnen und wie sich der bellum omnium contra omnes verhindern l■sst. Inneren und ■u▀eren Frieden, Freiheit und soziale Wohlfahrt zu bewahren ist eines der zentralen Ziele demokratischer Gesellschaften. Sicherheit wird in seinen vielf■ltigen soziologischen, politischen und gesellschaftlichen Dimensionen reflektiert und als ein zentraler Begriff der Sozialwissenschaften und der Staatswissenschaften eingefčhrt. Hierauf aufbauend wird ein analytisches Modell, das verschiedene Sph■ren von Sicherheit (soziale, wirtschaftliche, politische und Wertsph■re) im politischen Raum unterscheidet, vorgestellt. Abschlie▀end wird mit Blick auf die genuinen Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Staates dessen Rolle bei der Friedenssicherung, der Gew■hrung innerer Sicherheit diskutiert und darauf verwiesen, dass dieser gegenw■rtig nicht mehr alleiniger Garant von Sicherheit sein kann.
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Thomas Mčller-Schneider
Einschleusung von Migranten. Ein neues Massenph■nomen weltweiter Wanderung

In jčngster Vergangenheit hat sich die Einschleusung von Migranten zu einem neuen Massenph■nomen weltweiter Wanderung entwickelt. Trotz seiner international steigenden Bedeutung wird der Menschenschmuggel von der Migrationssoziologie bislang kaum beachtet. Vor diesem Hintergrund gibt der vorliegende Beitrag zum einen - vorwiegend aus deutschem Blickwinkel - grundlegende Informationen čber die Einschleusung von Migranten, zum anderen n■hert er sich seinem Gegenstand aus soziologischer Perspektive. Menschenschmuggel l■sst sich als sozialer Prozess verstehen, der durch ein Tauschgesch■ft zwischen Migranten und Schleusern in Gang kommt und immer organisierter abl■uft. Die starke Expansion der Einschleusung kann vor allem durch Globalisierungsprozesse und schleusungsbedingte Eigendynamiken erkl■rt werden. Wie die abschlie▀ende Evaluation bisheriger staatlicher Gegenma▀nahmen zeigt, kÜnnen westliche Gesellschaften auch in n■chster Zukunft nicht auf eine verst■rkte Grenzsicherung verzichten.
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Rainer Weinert
Politischer Personalismus in Deutschland. Soziologische Aspekte des "Systems Kohl"

Verwaltungsst■be waren bislang Gegenstand von Analysen čber diktatoriale Regime oder solchen, die čber Demokratien mit schwacher Parteienstruktur (USA). Der Beitrag versucht den Weberĺschen Typus der Verwaltungsst■be auf das politische System der Bundesrepublik am Beispiel des sog. Systems Kohl auszuweiten. Im Mittelpunkt steht das Spannungsverh■ltnis von Personalisierung und Institutionalisierung. Die These ist, dass hoch bčrokratisierte Staatsapparate und Massenparteien in parlamentarischen Systemen der Íffnung von Willkčrr■umen fčr den Kanzler und Parteifčhrer nicht widersprechen. Esá erfolgt eine Art Zweiteilung, die Erledigung des politischen Routinegesch■fts wird durch die Regelorganisation der Regierung bzw. Partei geleistet, gleichzeitig erfolgt eine Auslagerung politisch wichtiger Sachverhalte aus der Regelstruktur heraus in personalistisch kontrollierte Einzelkontakte. Deren Steuerung erfolgte čber einen dezidierten personalistischen Machtanspruch. Als wichtigste Merkmale werden Verparteilichung, Personalisierung, die "politische Tischgemeinschaft", Verpfrčndung und "Bimbes" behandelt.
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Zusammenfassungen 2001
Heft 4/2001
 
Manuel Castells
Bausteine einer Theorie der Netzwerkgesellschaft

Dieser Aufsatz pr■sentiert Bausteine einer Theorie der Netzwerkgesellschaft. Sie ist das Ergebnis empirischer und kulturvergleichender Untersuchungen und beschreibt in einer ersten Ann■herung die das Informationszeitalter charakterisierende Gesellschaftsstruktur. In einer Vielzahl kultureller und institutioneller Erscheinungsweisen pr■gt die Netzwerkgesellschaft die meisten Gesellschaften dieser Erde auf ■hnliche Weise wie die Industriegesellschaft die Gesellschaftsstruktur des Kapitalismus und der Planwirtschaft čber weite Strecken des 20. Jahrhunderts gepr■gt hat. Gesellschaftsstrukturen organisieren sich um Verh■ltnisse von Produktion und Konsum, Macht und sozialer Erfahrung. Deren jeweilige raum-zeitliche Konfigurationen begrčnden Kulturen, die von sozialen Akteuren geschaffen, von ihnen reproduziert und durch sie transformiert werden. Ein zentrales Charakteristikum der Gesellschaftsstruktur im Informationszeitalter ist, dass sie auf Netzwerken beruht, die die soziale Morphologie kennzeichnen. Im Gegensatz zu frčheren Formen stčtzen sich Netzwerke heute auf die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, so dass sie sowohl den Erfordernissen flexibler Dezentralisierung als auch jenen effektiver Entscheidungsfindung gerecht werden kÜnnen. Dieser Aufsatz untersucht die spezifische Interaktion zwischen der Netzwerkmorphologie und den Verh■ltnissen von Produktion und Konsum, Macht und sozialer Erfahrung sowie der Kultur im Prozess einer neu entstehenden Gesellschaftsstruktur zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
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Jochen Steinbicker
Soziale Ungleichheit in der Informations- und Wissensgesellschaft

Ein zentrales Deutungsangebot angesichts gegenw■rtiger - vor allem sozioÜkonomischer - Wandlungsprozesse ist das Konzept der Informations- und Wissensgesellschaft, das einen signifikanten Bruch mit den Verh■ltnissen der Industriegesellschaft markieren soll. Wenn sich in diesem Sinne die Konturen eines neuartigen Gesellschaftstyps abzeichnen, so stellt sich die Frage, welche Bedeutung dieser Wandel fčr die soziale Ungleichheit als einem grundlegenden sozialwissenschaftlichen Forschungsbereich hat. Anhand der einschl■gigen Ans■tze von Peter Drucker, Daniel Bell und Manuel Castells geht der vorliegende Beitrag dieser Frage nach. Es soll gekl■rt werden, welche Perspektiven die drei Autoren fčr die Entwicklung sozialer Ungleichheit aufzeigen undá inwieweit sich neue Impulse fčr die soziale Ungleichheitsforschung ergeben.
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Luc Boltanski/Eve Chiapello
Die Rolle der Kritik in der Dynamik des Kapitalismus und der normative Wandel

Die franzÜsische Soziologie der 70er Jahre gab sich kritisch, stie▀ damit aber weder im moralischen Sinne noch im Sinne der Gerechtigkeit auf gro▀es Interesse. Im Gegensatz dazu betonte die pragmatische Soziologie der 80er Jahre das absichtsvolle Handeln der Individuen und nahm die moralischen Motive, die sie fčr sich in Anspruch nahmen, sehr ernst. Sie hat dabei jedoch sehr oft die kritische Sichtweise aufgegeben. In "Le nouvel esprit du capitalisme" haben wir versucht, einen Rahmen zu konstruieren, der es ermÜglicht, die Kernpunkte einer kritischen mit denen der pragmatischen Soziologie zu verbinden, und dazu das Programm einer Soziologie der Rolle der Kritik im sozialen Leben entwickelt. Um zu verstehen, wie ein neuer "Geist des Kapitalismus in den letzten drei▀ig Jahren entstehen konnte, muss man in der Zeit um 1968 ansetzen, einer Phase, die durch ein hohes Niveau der Kritik gekennzeichnet war. Der Kapitalismus hat zun■chst - ohne Erfolg - versucht, dieser Krise auf dem Gebiet der sozialen Gerechtigkeit zu begegnen, um dann gro▀e Teile einer neuen Form der Kritik zu verinnerlichen, die Ende der 60er Jahreá entwickelt wurde und die sich auf Forderungen nach Autonomie, Authentizit■tá und Kreativit■t konzentrierte. Die Anpassung des Kapitalismus an diese Form kčnstlerischer Kritik, wie wir sie bezeichnen, hat zu seiner Wiederbelebung beigetragen. Zusammenfassend entwickeln wir ein Modell normativen Wandels, das auf dem Begriff der Bew■hrungsprobe und dem des Wechsels zwischen Regimen der Verlagerung und Kategorisierung grčndet.
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Lo´c Wacquant
Logiken urbaner Polarisierung: Der Blick "von unten"

In allen Gro▀st■dten der westlichen Industriestaaten zeichnet sich die Etablierung eines neuen Regimes st■dtischer Marginalisierung ab. Im Unterschied zu den Armutsph■nomenen des fordistischen Zeitalters handelt es sich dabei nicht um eine konjunkturabh■ngige, zyklische Erscheinung, sondern um eine langfristige und persistente Krise. Die folgende Analyse befasst sich mit den Grčnden dieser "neuen Armut" in den Metropolen und versucht eine Systematisierung der zugrunde liegenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Ursachen. Der Vergleich zwischen den USA und den westeurop■ischen L■ndern zeigt darčber hinaus, dass die prominenten Theorien einer "Amerikanisierung" Europas wie auch das lamentierte Ende des Nationalstaates einer empirischen Grundlage entbehren.
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Wolfgang Teckenberg
Die Suche nach der bčrgerlichen Mitte. "Neue" soziale Klassenbildung und "alte" St■ndeordnung in Mittelosteuropa im Vergleich zu Deutschland.

Nach 1989/90 stellte sich im Zuge zunehmender sozioÜkonomischer Polarisierung die Frage nach den zukčnftigen Spannungslinien in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn neu. Die Euphorie čber einen friedlichen politischen ▄bergang wich bald der Skepsis angesichts der Ükonomischen Probleme und bisher nicht gekannter Belastungen wie der Arbeitslosigkeit und steigender Preise fčr Gčter. Die soziale Ungleichheit stieg, und der "demonstrative Konsum" einiger weniger erregte den Zorn der in den 80er Jahren zu bescheidenem, nivelliertem Wohlstand aufgestiegenen BevÜlkerung. Heute zeigen sich Unterschiede in der pfadabh■ngigen Entwicklung zwischen den mittelosteurop■ischen L■ndern, und sie spiegeln nicht zuletzt Unterschiede in den Privatisierungsstrategien wider. W■hrend mit dem neuen "Managerkapitalismus" neben dem traditionellen "Bildungsbčrgertum" eine Schicht der "Besitzklassen" entsteht, zeitigt die Umstrukturierung der Gro▀betriebe zugleich eher eine "Schicksalsgemeinschaft" der "Verlierer" als eine "neue" Mitte. Da sich in den letzten beiden Jahren aber die wirtschaftliche Situation gebessert hat, haben jčngere Kohorten durchaus eine Chance in den L■ndern, und sie bleiben dort schon deshalb, weil nach 1948 erhebliches Wohneigentum akkumuliert werden konnte.
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Karin Kurz / Nikolei Steinhage
Globaler Wettbewerb und Unsicherheiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Hintergrund des Beitrages ist die Beobachtung, dass sich durch zunehmenden globalen Wettbewerb die Besch■ftigungsstrategien von Firmen ver■ndern und prek■re Besch■ftigung und Arbeitslosigkeit fčr immer mehr Erwerbst■tige wahrscheinlich werden. Dabei ist aber anzunehmen, dass die konkreten Formen prek■rer Besch■ftigung und die differenzielle Betroffenheit bestimmter Besch■ftigtengruppen vom nationalen institutionellen Kontext abh■ngen. Ziel des Artikels ist es, zum einen die Abh■ngigkeit vom institutionellen Kontext zu skizzieren und zum anderen empirisch zu untersuchen, in welchem Ausma▀ bestimmte Personengruppen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt im Deutschland der 80er und 90er Jahre von prek■rer Besch■ftigung und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Es wird analysiert, inwieweit das Risiko befristeter Vertr■ge und Arbeitslosigkeit nach Bildung, Ausbildung, Klassenlage, Geschlecht, ethnischer Herkunft und Region (Ostdeutschland vs. Westdeutschland) ungleich verteilt ist. Es zeigt sich, dass sowohl hoch wie niedrig qualifizierte Gruppen čberproportional von befristeten Arbeitsvertr■gen betroffen sind; befristete Besch■ftigung erhÜht das Risiko von Arbeitslosigkeit; schlie▀lich variiert das Arbeitslosigkeitsrisiko deutlich nach Bildungsabschluss, Klassenlage, Region und ethnischer Herkunft.
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Birgit Glock/Hartmut H■u▀ermann/Carsten Keller
Die sozialen Konsequenzen der Restitution von Grundeigentum in Deutschland und Polen

Der Artikel vergleicht die Restitution von Immobilieneigentum in Polen und Deutschland. In Polen gibt es bisher keine gesetzliche Regelung, aber čber Verwaltungsentscheidungen wird dennoch Privateigentum restituiert; in Deutschland ist der Restitutionsprozess weitgehend abgeschlossen. Die Analyse geht der Frage nach, ob die moralisch und funktional begrčndete Privatisierung ihre vorgegebenen Ziele erreicht hat. Die Privatisierung von H■usern und Grundstčcken greift in einen sensiblen, mit persÜnlichen Emotionen verquickten Bereich der Sozialordnung ein, so dass die doppelte Zielsetzung der Restitution, sowohl historische Gerechtigkeit als auch kapitalistische Marktverh■ltnisse herzustellen, besonderen Schwierigkeiten begegnet. Die Analyse der sozialen und Ükonomischen Konsequenzen der sehr unterschiedlich gestalteten Prozesse zeigt, dass in beiden Gesellschaften das anspruchsvolle Ziel einer Herstellung historischer Gerechtigkeit nicht ohne die Entstehung neuer sozialer Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten umgesetzt werden konnte. An den Beispielen Prenzlauer Berg und Kleinmachnow in der Region Berlin werden gro▀e Unterschiede in der Akzeptanz der Rčckgabe durch die Betroffenen deutlich.
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