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Theatrum Naturae et Artis     Theatrum Naturae et Artis

 


Am 4. März endet die Ausstellung "Theatrum naturae et artis. Wunderkammern des Wissens". Die Berliner Humboldt-Universität gab für drei Monate mit 1.200 Objekten Einblick in das große Spektrum ihrer Sammlungsschätze.

Die Ausstellung erlebten während ihrer Laufzeit mehr als 80.000 Besucher. Allein schon diese vergleichsweise hohe Zahl spricht für den Erfolg der Veranstaltung. Nicht weniger erfreulich war die erkennbar lange Verweildauer und die starke Konzentration der einzelnen Besucher sowie die hohe Zahl an Schulklassen aller Altersgruppen. Mit großem Interesse wurde registriert, dass gerade Kinder von den Exponaten auf eine besondere Weise angezogen wurden.

Die Absicht, das "Theatrum" zu einem veritablen "Theater" werden zu lassen, wurde mit einem umfangreichen Rahmenprogramm realisiert, das nach Umfang und Vielfalt keinen Vergleich scheuen muss. 23 wissenschaftliche Vorträge zu einzelnen Aspekten der vorgestellten Sammlungen und zu aktuellen Forschungsprojekten, vier Lesungen wissen-schaftlicher Texte mit bekannten Schauspielern, eine Filmpremiere, drei Konzerte, zwei Tagungen und ein ausführliches Programm während der Langen Nacht der Museen füllten mehr als die Hälfte der Öffnungstage aus. Darüber hinaus bildete der Lichthof mit der Galerie der Gelehrten auch den Rahmen für Großveranstaltungen. So wurde hier unter anderem das Jahr der Lebenswissenschaften durch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn eröffnet, und zwei Empfänge fanden im Rahmen der Berlinale statt.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung entstanden zwei Dokumentationsfilme über die Sammlungen der Humboldt-Universität und der Kurzspielfilm "Lurch", gedreht im Museum für Naturkunde. Eine Buchdokumentation des Ausstellungsprojektes sowie ein weiterer Film über den Verlauf der Ausstellung sind in Bearbeitung.

Als ein unerwartetes Ergebnis dieses sicher ungewöhnlichen Ausstellungsprojektes hat die Humboldt-Universität eine neue, kraftvolle Identität gewonnen; der leergewordene Begriff der Universität scheint sich wieder mit Leben zu füllen. In der Zusammenführung und der gemeinsamen Präsentation der Sammlungsergebnisse aus allen wissenschaftlichen Disziplinen - aus dem naturwissenschaftlichen, dem medizinischen und aus dem kulturhistorischen Bereich - gelang es durch die Kooperation zahlreicher Forscher, die viel beschworene und oft geforderte Transdisziplinarität sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch mit Leben zu erfüllen. Der daraus resultierende besondere Umgang mit Universitätsgeschichte und -gegenwart wurde auch in der Öffentlichkeit in erstaunlichem Maße honoriert; in zahlreichen Besprechungen wurde das wiedergewonnene Selbstbewusstsein der Universität mit Überraschung zur Kenntnis genommen.

Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die in dieser Ausstellung vorgeführte Erfassung wissenschaftlicher Sammlungen Schule machen wird. Die Universitäten München, Jena und Halle sowie die State University of California bereiten derzeit ähnliche Unternehmungen vor.

Der Erfolg der Ausstellung "Theatrum naturae et artis" stellt nicht zuletzt auch eine Perspektive und eine Herausforderung dar. Da die Exponate nach Ende der Ausstellung an ihre angestammten, der Öffentlichkeit in der Regel nicht zugänglichen Aufbewahrungsorte zurückkehren, stellt sich die Frage nach einem Wissenschaftsmuseums für Berlin auf eine drängende Weise. Das Bedürfnis nach angemessener Unterbringung und wirkungsvoller Präsentation der verstreuten Sammlungsschätze ist groß, nachdem die Ausstellung deutlich gemacht hat, auf welches Interesse ein solches Wissenschaftsmuseum treffen wird.

Berlin, 02.03.01, Anke Michaelis

Helmholtz-Zentrum för Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin, letzte Änderung: 14.12.2000