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Die Leibniz-Sozietät widmet Bildungsfragen gemäß langjähriger
Tradition permanente Aufmerksamkeit. Der Präsident der Sozietät,
Herbert Hörz, hielt 1999 im Plenum den Vortrag "Wissenschaft
als Aufklärung?", der Bildungsfragen in einen umfassenden geistigen
und so-zialen Kontext integrierte. Dem strittigen Thema "Allgemeinbildung
unzeitgemäß?" widmete sich der Plenarvortrag von Gerhart
Neuner, der eine lebhafte Diskussion der Mitglieder anreg-te. Vortrag
und Diskussion wurden im Band 31 (1999) Heft 4 der Sitzungsberichte veröffent-licht.
An dem Kolloquium der Sozietät zum Jahrhundert des Kindes, der schwedischen
Päda-gogin und Frauenrechtlerin Ellen Key gewidmet, die an der Schwelle
zum 20. Jahrhundert ein Jahrhundert des Kindes proklamiert hatte, wirkten
zahlreiche Wissenschaftler aus Ost und West mit. Das auf der Grundlage
dieses Kolloquiums entstandene Buch "Soziale Befreiung - Emanzipation
- Bildung Das Jahrhundert des Kindes' zwischen Hoffnung und Resignation"
ist im Jahre 2001 im trafo-verlag erschienen.
Angesichts beträchtlicher Leistungsdefizite des Schul- und Bildungswesens
der Bundesrepublik im internationalen Vergleich, die seit längerem
signalisiert werden, war eine Bildungsre-form überfällig geworden.
Die Leibniz-Sozietät beteiligte sich aktiv an der vom Forum Bildung
initiierten und verantworteten Reform. Die Sozietät erarbeitete eine
Stellungnahme zu aktuellen Problemen dieser Reform, die, nach Diskussion
in den beiden Klassen, dem Forum Bildung am 26.2.2001 vom Präsidenten
übergeben wurde. Die beiden Vorsitzenden des Forums, Frau Edelgard
Bulmahn und Herr Hans Zehetmair, bewerteten diese Stellungnahme positiv
und entschieden, sie allen Mitgliedern des Forums Bildung zur Auswertung
zu übergeben. In die zwölf Abschlussempfehlungen des Forum Bildung,
die im Januar 2002 veröffentlicht wurden, sind Vorschläge und
Empfehlungen, die unsere Sozietät unterbreitet hatte, im Text nachweisbar,
eingegangen. Die Sozietät initiierte des weiteren auf ihrer Homepage
eine Bildungsdebatte im Internet, die im März diesen Jahres abgeschlossen
wurde. 18 Mitglieder der Sozietät und andere Wissenschaftler haben
in dieser Debatte das Wort ergriffen. Mit dem Abschlussbemerkungen von
Gerhart Neuner "Das Forum Bildung im Rückblick" wurde diese
Diskussion, die weiterhin im Internet nachgelesen werden kann, beendet.
Das Mitglied der Sozietät Dieter Kirchhöfer gewann Wissenschaftler
und Schulpraktiker aus Ost und West für die Gemeinschaftsarbeit an
einem Buch "Kindheit in der DDR". Dieses umfassende Werk vermittelt
einen beeindruckenden Einblick in Leistungen, Bedingungen und Probleme
des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen im anderen deutschen Staat.
Nachdem die Rosa-Luxemburg-Stiftung die Finanzierung des Publikationsaufwandes
übernommen hatte, konnte das Buch zum Druck vorbereitet werden. In
seiner Art ist es ein Uni-kat, das eine "gesamtdeutsche" Fortsetzung
verdiente.
Auf dem Abschlusskongress des Forum Bildung war festgelegt worden, die
Realisierung seiner Empfehlungen nach vier Jahren, also im Jahre 2006,
zu überprüfen. Dies wird um so wichtiger, als die alarmierenden
Resultate der OECD-PISA-Studie die Dringlichkeit tiefgreifender Reformen
im Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland bekräftigen. Zudem
haben auf dem Abschlusskongress des Forum Bildung politische Differenzen
und Widerstände eine Rolle gespielt, die geeignet sind, die geplanten
Reformen weiterhin zu blockieren. Die Leibniz-Sozietät ist entschlossen,
die Realisierung der Empfehlungen des Forum Bildung un-ter Nutzung ihrer
Potentiale und Erfahrungen aktiv zu unterstützen. Geplant ist eine
Serie von Kolloquien, für die Wissenschaftler und Praktiker verschiedener
Bereiche gewonnen werden sollen. Derzeit wird das Kolloquium "Frühe
Förderung des Lernens in Kindertageseinrichtungen" vorbereitet,
an dem wiederum Wissenschaftler aus Ost und West mitwirken werden. Geplant
sind für die nächsten Jahre weitere Kolloquien, darunter zur
Didaktik des Unterrichts und zur Theorie des Lehrplans. Diese wissenschaftlichen
Aktivitäten sollen Substanz für eine Serie "Schriften zur
Bildung" liefern, die in die Diskussion von Bildungsfragen eingreifen
sollen. Außerdem ist eine neue Internet-Debatte zu den aktuellen
Bildungsfragen geplant.
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