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Der Präsident der Leibniz-Sozietät, Prof. Dr. Herbert Hörz, eröffnete den Leibniztag 2000 mit folgender Ansprache:

Liebe Mitglieder, werte Gäste !
Ich begrüße zu unserer Festveranstaltung vor allem die Mitglieder unserer Sozietät und ihre Angehörigen, die Kooperationspartner und die Freunde der Leibniz-Sozietät. Der Altpräsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Schadewaldt, der uns in wissenschaftlichen Fragen nie seine Unterstützung versagte, ist stets ein gern gesehener Gast bei uns. Ich freue mich, dass Prof. Dr. Banse, der Präsident der "Neuen URANIA" und Dr. Korthaase, Vorsitzender der Deutschen Comenius-Gesellschaft, an unserer Veranstaltung teilnehmen. Dr. Korthaase wurde in diesem Jahr von der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik mit der Jan-Patocka-Erinnerungsmedaille für seine langwährende Kooperation mit tschechischen Kollegen geehrt, wozu wir gratulieren. Wir haben weitere wissenschaftliche Einrichtungen und Gesellschaften eingeladen, deren Vertreter ich herzlich willkommen heiße. Für die Polnische Akademie der Wissenschaften und Künste übermittelt uns deren Generalsekretär "anläßlich des großen Jubiläums der 300 Jahre der Leibniz-Sozietät" herzlichste Glückwünsche. Auch der Rektor der Universität Krakow wünscht uns dazu weitere Erfolge in der wissenschaftlichen Arbeit. Eingegangene Grußadressen werden wir in den Sitzunsberichten veröffentlichen. Bundespräsident Rau wünscht unserer Festveranstaltung einen angenehmen Verlauf und der Leibniz-Sozietät für die weiteren wissenschaftlichen Aktivitäten viel Erfolg. Wir hoffen, dass die Vertreter staatlicher und politischer Einrichtungen, die teilnehmen, die Ergebnisse unserer Arbeit zur Kenntnis nehmen und über deren Unterstützung nachdenken. Es freut mich, dass ehemalige Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR unsere Einladung angenommen haben und ich begrüße auch anwesende Mitglieder und Mitarbeiter der Berlin-Brandeburgischen Akademie der Wissenschaften. Presse- und Medienvertreter sind uns stets willkommen und wir freuen uns darüber, wenn hin und wieder die Existenz, Geschichte und Arbeit unserer Sozietät Gegenstand von Medienberichten ist.
Der Leibniztag dieses Jahres hat einen besonderen Stellenwert im Leben der Berliner Wissenschaftsakademie. Die Berliner Zeitung vom 10.5.2000 titelte: "Ein Streitfall für Akademiker. Die Leibniz-Sozietät sieht sich und nicht die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften als Erbin der Leibnizschen Akademie." Das ist richtig, obwohl es sicher nicht nur ein Streitfall für Akademiker sein kann, wer legitimer Nachfolger der 1700 ins Leben gerufenen Leibnizschen Akademie ist. Politiker und solche, die sich durch die Umstände 1990 und danach zur Politik berufen fühlten, waren es, die 1992 einen in der Geschichte der Akademien einmaligen Akt vollbrachten, nämlich das Herausdrängen der Gelehrtensozietät der Akademie der Wissenschaften der DDR aus dem öffentlich-rechtlichen Status, gerichtet gegen Recht und Gesetz. Noch lief bei der Oberfinanzdirektion der Antrag der Gelehrtensozietät, ihr das ihr zustehende Vermögen zuzusprechen, da wurde ihr der dafür erforderliche Status genommen und entsprechende Einrichtungen, Stiftungen und Finanzen der neu gegründeten Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften übergeben. Die Hoffnung der damals Herrschenden, uns damit überhaupt los zu werden, ging jedoch nicht auf. Als damaliger Vizepräsident für Plenum und Klassen, der nie abberufen wurde, organisierte ich mit anderen Akademiemitgliedern das weitere Zusammentreffen der Mitglieder und Freunde der Leibniz-Akademie zu monatlichen wissenschaftlichen Sitzungen. Wir wählten eine Initiativgruppe und konnten 1993 als eingetragener Verein unsere Arbeit fortsetzen. So existieren wir weiter, zur Mahnung für die Zerstörer von 1992, als Forderung an ihr Gewissen, Fehler einzusehen und als Beweis dafür, dass sich Akademiker durch widrige politische Umstände nicht unterkriegen lassen und ihrem Interesse an wissenschaftlicher Arbeit weiter entsprechen. Zur Korrektur der Fehler ist es zu spät. Finanzielle Hilfe könnten wir als Teil der Wiedergutmachung gut gebrauchen. Zwei Einrichtungen feiern nun die 300 Jahre Wissenschaftsakademie in Berlin, eine vor sieben Jahren gegründete BBAW einerseits, die keine Traditionslinie zur Leibnizschen Gründung aurweisen kann, denn die Mitglieder, die die Akademie ausmachen, sind neu bestimmt und gewählt und die Leibniz-Sozietät andererseits, die zwar nicht die höhere Weihe der staatlichen Obrigkeit durch den Status einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung hat, sich jedoch in direkter Nachfolge zur Leibnizakademie befindet. Wir können also der BBAW, die am l. Juli ihre Festsitzung begeht, zu ihrer siebenjährigen Existenz gratulieren und hoffen, dass die Legenden nicht zu fantastisch und die historischen Lücken nicht zu groß sind, mit denen man 300 Jahre Akademie in Berlin feiern will. Nach dem Motto, man muss die Feste fallen lassen, wie man sie feiern will, wird höchste Staatsprominenz der BBAW ihren Respekt zu den nicht vorhandenen Traditionslinien erweisen, wozu wir gutes Gelingen wünschen. Bleiben wir auf unserem Leibniztag, der seit 1812 von der Berliner Akademie begangen wird, bei unseren Traditionen. Die Leibniz-Sozietät nutzt ihn, um Rechenschaft über die Arbeit vor der Öffentlichkeit zu legen, der Verstorbenen zu gedenken, die neuen Mitglieder vorzustellen und in einem Festvortrag ein wichtiges Thema unserer Arbeit zu behandeln. Diesmal geht es mit "theoriam cum praxi" um ein wichtiges Motto in der Geschichte der Leibnizakademie. Mein Dank gilt der Staatsbibliothek und ihrem Generaldirektor, Dr. Jammers, der es uns ermöglicht, in diesen Räumen nicht nur unsere Sitzungen der Klassen und des Plenums durchzuführen, sondern auch den Leibniztag zu begehen. Danken möchte ich auch all denen, die es auf sich genommen haben, diesen Leibniztag mit vorzubereiten. Da wir ohne hauptamtliche Kräfte, ohne finanzielle Unterstützung und ohne eine Geschäftsstelle den Aufwand bewältigen müssen, ist die aktive Mitarbeit vieler Kollegen gefragt, dafür unsere Anerkennung.
Der Leibniztag 2000, der 300 Jahren Wissenschaftsakademie in Berlin gewidmet ist, ist eröffnet.

 

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Aktualisiert am: 05.08.2000