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Sitzung der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften
14. September 2000

Prof. Dr. Dieter Metzler, Münster
Über das Inaktuelle der Antike

Prof. Metzler (61) ist Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 1997 und Ordinarius für Alte Geschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität Münster. Nach einem Studium der Archäologie wandte er sich - auch unter dem Einfluß von Sir Moses Finley und Franz Altheim - mehr der Geschichte zu. Zu seinen Forschungsfeldern gehören der vorislamische Iran und die antiken Kulturkontakte zum Nahen und Fernen Osten sowie - damit eng verknüpft - die frühen Phasen der altgriechischen Religion, aber auch das Nachleben der Antike unter ideologiegeschichtlichen Aspekten. Er unterhält die fachüblichen Beziehungen zu Kollegen zwischen Paris und Ann Arbor, St. Petersburg und Tokio.

Die Antike gilt - in den Augen ihrer glühenden Verehrer wie ihrer schamlosen Nutzer - als immer und überall aktuell. Sie ist aber immer auch unaktuell, insofern sie als ein etwas "ganz Anderes", zeitlich weit Entferntes, sich nicht oder nur in Verzerrung und Verkürzung einvernehmen lässt.
Daneben können antike Kulturelemente aber auch unterströmig weiterleben: als kontinuierlich vorhandene Symbole und Rituale, vielleicht auch im sogenannten Aberglauben. Ideologiekritisch betrachtet, geht es hier darum, was in der Antike-Rezeption zumutbar ist oder nicht - z. B. das Unkenntlichmachen des Vergangenen, um es einfacher aktuell gebrauchen zu können, oder das Ausklammern und Vergessenmachen durch eine dogmatische Kanonisienung des jeweils Erinnernswerten.
Das Gesagte gilt übrigens nicht nur für das Verhältnis Europas zur griechisch-römischen Antike, sondern auch für ostasiatische Kulturen im Verhältnis zu ihrer konstitutiven Phase, dem chinesischen Altertum.

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Aktualisiert am: 05.09.2000