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Sitzung der Klasse Naturwissenschaften
14. September 2000

Dr. Karl-Heinz Weber, Dresden
Kritik an der linearen Extrapolations-Hypothese biologischer Strahlenwirkungen

Dr. Weber (71) ist Physiker und hat sich in Leipzig als Schüler von Nobelpreisträger Gustav Hertz und Adolf Lösche auf Kernstrahlungs-Meßtechnik und Dosimetrie spezialisiert. Seine jahrzehntelange Praxis in der einschlägigen Industrie hat sich in mehr als 30 Patenten und unzähligen Publikationen und Fachvorträgen niedergeschlagen. Er ist Mitglied des Fachverbandes für Strahlenschutz.

Für die Dosis-Wirkungsbeziehung der durch kleine Dosen ionisierender Strahlung hervorgerufenen Krebserkrankungen werden gegenwärtig zwei unterschiedliche Annahmen diskutiert: Entsprechend der "linearen Hypothese ohne Schwelle" (LNT-Hypothese) nimmt das strahleninduzierte Krebs-Risiko auch bei kleinen Dosen monoton zu, d.h. auch kleinste Dosen, wie die natürliche Untergrund-Strahlung, sind schädlich. Im Gegensatz dazu geht die aus der Pharmakologie und Toxikologie bekannte "Hormesis-Hypothese" davon aus, dass eine 2-Phasen-Beziehung vorliegt: Danach nimmt die Krebs-Häufigkeit mit wachsender Dosis zunächst ab und erst bei höheren Dosen wieder zu.
Die wesentliche Ursache für diese Kontroverse liegt darin, dass es sehr schwierig ist, gesicherte Erkenntnisse dazu zu erlangen, weil einerseits die Krebs-Häufigkeit starken statistischen Schwankungen unterliegt und andererseits im Gebiet kleiner Strahlungsdosen überhaupt nur sehr geringe Strahlungswirkungen auftreten.
Die Ergebnisse einiger strahlenepidemiologischer Studien und einiger strahlenbiologischer Tierexperimente zeigen eine statistisch gesicherte Abnahme des Krebs-Risikos bei kleinen Dosen. Die LNT-Hypothese gilt daher nicht allgemein. Aus diesem Grund sind aus der LNT-Hypothese abgeleitete Behauptungen, dass z.B. allein in Deutschland jährlich etwa 2000 Personen an Lungenkrebs infolge Radon in Wohnungen sterben, anfechtbar.

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Aktualisiert am: 05.09.2000