Veranstaltungen
Aktuelle Berichte
 
 
 
   
 

begründet 1700

   
   
   
   
   
   
     
   
     
   
     
   

Sitzung der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften
16. November 2000

Prof. Dr. Siegfried Wollgast, Dresden:
Carl Christian Friedrich Krause (1781 - 1832) - ein deutscher Philosoph mit Weltgeltung

Prof. Wollgast (67) ist Philosophiehistoriker und Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 1996. Nach dem Studium der Philosophie und der Geschichte in Jena und Berlin arbeitete er von 1968 bis 1992 an der Technischen Universität Dresden - von 1976 an als Professor für Philosophiegeschichte. 1978 bis 1994 war er Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Die Liste seiner Publikationen zählt mehr als 600 Titel, darunter etwa 30 Bücher. Einen nicht geringen Teil davon hat Prof. Wollgast der Ehrenrettung wenig beachteter, verkannter oder dogmatisch interpretierter Personen und Tendenzen in der Philosophiegeschichte gewidmet.

Jeder kennt die Namen jener Philosophen, die als hohe Gipfel in den Himmel der Philosophiegeschichte ragen - aus der deutschen klassischen Periode etwa Kant, Fichte, Schelling und Hegel - aber was ist das für eine arm-selige Landschaft, die nur aus Gipfeln besteht und keine Hügel kennt! Ein Zeitgenosse der eben Genannten und ein ebenso eigenständiger Denker war Carl Christian Friedrich Krause, der in Jena, Dresden, Berlin, Göttingen und München gewirkt hat, 14 Kinder zeugte, sich dreimal habilitierte, aber niemals einen Lehrstuhl erhielt. Außer auf philosophischem hat er sich auch auf mathematischem, geographischem, pädagogischem und musikali-schem Gebiet betätigt, die sprachwissenschaftliche Gesellschaft in Berlin begründet und (vergeblich) versucht, die Freimaurergesellschaft zu reformieren. Bei den revolutionären Ereignissen in Göttingen um 1830 spielten mehrere seiner Schüler eine führende Rolle; und man legte ihm danach nahe, Göttingen zu verlassen.
In Deutschland fast vergessen, sind Krauses philosophische Gedanken in Spanien und Lateinamerika als "El Krausismo" bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wohlbekannt. Sie laufen auf einen idealistisch fundierten, liberal gefärbten Humanismus hinaus und haben die spanischen Revolutionen 1868 - 1874 wesentlich mit geprägt. Krau-se wollte einen "Menschheitbund", in dem man unabhängig von Stand, Religion, Nationalität oder anderem Trennendem für die Erlösung der Menschheit von Krieg, Verbrechen, Niedertracht und allem anderem Bösen wirken sollte. Als einziger namhafter Philosoph seiner Zeit trat er konsequent für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein.

 

zurücktopvor  
[ Index | Sozietät | Veranstaltungen | Publikationen | Stiftung | E-Mail ]
Aktualisiert am: 14.11.2000