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Ilya Prigogine wurde im russischen Revolutionsjahr 1917 in Moskau geboren.
Seine Eltern emigrierten wenige Jahre später und lebten in den zwanziger
Jahren einige Zeit in Berlin, wo Ilya die Schule besuchte und Deutsch
lernte. Die Endstation der Emigration der Familie war Brüssel. Ilya
Prigogine wurde belgischer Staatbürger, seine Ausbildung, seine Karriere
und viele Ehrungen darunter auch die Verleihung des Adelstitels durch
den König (1989) verdankte er Belgien, das er als seine neue Heimat
akzeptierte und vertrat.
Prigogine studierte Chemie an der Freien Universität Brüssel,
mit der er zeitlebens eng verbunden blieb. Die Stationen seiner Ausbildung
waren: Abschluß des Studiums der Chemie und Physik 1939 und Promotion
in Chemie 1941.
Schon mit seinen ersten wissenschaftlichen Arbeiten nahm Prigogine die
Tradition der großen belgischen Thermodynamikschule von DeDonder
auf. Besonders deutlich wurde das in seinem frühen Buch mit Defay:
" Traite de Thermodynamique Conformement aux Methodes de Gibbs et
de DeDonder" (Liege, 1944).
Die deutsche Übersetzung erscheint unter dem Titel Chemische Thermodynamik
1962 in Leipzig und diente jahrzehntelang als Grundlage der Thermodynamik-Ausbildung
von Physikern und Chemikern. Während dieses Buch, das von unübertroffener
Klarheit ist, sich noch weitgehend an die Linien der klassischen Thermodynamik
hält, schlägt Prigogine in seiner Dissertation: "Etude
Thermodynamique de Phenomenes Irreversibles" (Liege, Paris, 1947)
ganz neue Wege ein und begründet damit die irreversible Thermodynamik.
Die bearbeitete englische Übersetzung erscheint 1954 unter dem Titel
"Introduction to Thermodynamics of Irreversible Processes" (Chicago.,
1954) und wird bald ins Russische, Serbo-Kroatische, Italienische und
Spanische übersetzt.
Im Jahre 1951 wurde er zum ordentlichen Professor der Freien Universität
Brüssel berufen und 1987 zum Ehrenprofessor.
Prigogines meist zitiertes Werk "The Molecular Theory of Solutions",
gemeinsam verfasst mit Bellemans und Mathot , erschien 1957 in Amsterdam.
Damit wendete sich Prigogine der Statistischen Physik zu, die ihn immer
fasziniert hat und die er in geschlossener Form in dem Buch "Nonequilibrium
Statistical Mechanics" (New York, 1962) darstellte. Seit 1967 gründete
Prigogine das Center of Statistical Mechanics and Thermodynamics Texas
Austin und übernahm seine Leitung.
Eine nächste Schaffensperiode, die etwa ab 1968 zu datieren ist,
stand unter dem Zeichen der Theorie der Selbstorganisation, der dissipativen
Strukturen. Daraus resultierten Bücher mit Glansdorff und Nicolis,
die in fast alle Sprachen übersetzt wurden.
Im Jahre 1977 wurde Prigogine mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet,
Wenige Jahre später, 1980, wurde er zum auswärtigen Mitglied
der Akademie der Wissenschaften gewählt. In den 80er Jahren besuchte
er mehrfach Berlin und unterhielt enge Kontakte zu Humboldt-Universität
und zur Akademie. So hielt er 1982 und 1986 Vorträge auf Tagungen
an der Humboldt-Universität. Weiter trug er im Januar 1989 im Berliner
Max-von-Laue-Kolloquium vor und hielt 1990 den Festvortrag zur Gründung
des Institutes für Physik, das aus der bisherigen Sektion Physik
hervorgegangen war.
In seiner letzten Schaffensperiode widmete sich Prigogine den allgemeinen
Problemen von Zeit, Chaos, Irreversibilität und Naturgesetzlichkeit.
Seine Bücher dazu sind von einem breiten Publikum studiert worden
und haben das moderne Weltbild mitgeprägt.
Ilya Prigogine verstarb nach längerer schwerer Krankheit am 28. Mai
2003 in Brüssel.
Er gehörte zu den großen Naturforschern des 20. Jahrhundert.
Die Leibniz-Sozietät wird sein Andenken in Ehren halten.
Werner Ebeling
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