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Der zum 300-jährigen Jubiläum der Leibniz-Sozietät ausgeschriebene
Preis für Geisteswissenschaften
wurde an Herrn Dirk
Stederoth aus Kassel
für seine Dissertation
Brechungen des realen Geistes. Ein komparatorischer Kommentar zu Hegels
"Philosophie des subjektiven Geistes"
vergeben.
Begründung der Jury:
Als Epochenmerkmal der Neuzeit gilt in der Tradition idealistischer Philosophie
die konstitutive Rolle der Subjektivität. Zumeist wird dabei das Subjekt
als individuelles oder als transzendentales Ich bestimmt. Die von Hegel
ausgehende Begründung der Subjektivität im Real-Allgemeinen des geschichtlichen
Weltlaufs, die von Marx in der Konzeption des Gattungswesens weitergeführt
wird, bleibt in den neueren Subjektivitätstheorien unterbelichtet.
Es ist das Verdienst der Arbeit von Herrn Stederoth, dass er diese Hegelsche
Traditionslinie aufnimmt. Während die Mehrzahl der Hegel-Analysen ihren
Schwerpunkt bei der Theorie des objektiven Geistes setzt, geht Herr Stederoth
in sorgfältigen Analysen der Lehre vom subjektiven Geist nach, untersucht
also die Stellung der Hegelschen Anthropologie und Bewusstseinsphilosophie
im Zusammenhang des Systems. Die Beziehungen der philosophischen Systematisierung
zu den theoretischen Ansätzen in den empirischen Einzelwissenschaften
zu Hegels Zeit werden ausführlich dargestellt und so der enzyklopädische
und disziplinübergreifende Charakter der Hegelschen Konzeption durchsichtig
gemacht. Subjektivität erscheint in der Vermittlung mit den Inhalten der
Realphilosophie, Metaphysik und Empirie werden als ein theoretisches Corpus
konstruiert. Am Hegelschen Beispiel zeigt sich, dass ein anderer, ebenso
im natürlichen wie im geschichtlich-gesellschaftlichen Sein fundierter
Subjekt-Begriff gewonnen werden kann, als er in den individualistischen
oder transzendentalistischen Philosophien der Gegenwart artikuliert wird.
Entgegen dem weit verbreiteten Missverständnis, Hegels Philosophie sei
als abgeschlossenes (und damit auch "erledigtes") System zu betrachten,
kann Herr Stederoth an der konkreten Durchführung von Hegels Systemgedanken
in der Materialität der wissenschaftlichen Inhalte zeigen, dass Hegels
Philosophie ein "Projekt in Permanenz" war, dass System und dialektische
Methode nicht auseinanderfallen und auseinanderzufallen brauchen und dass
das Verfahren der dialektischen Logik "als Projekt in Permanenz auch in
unserer Gegenwart fortzuführen ist".
Die Arbeit von Herrn Stederoth erfüllt aufs beste die Intentionen des
Ausschreibungstextes am Beispiel eines aktuell relevanten Knotenpunkts
der Philosophiegeschichte.
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