Veranstaltungen
Vorschau
 

Klassen und Plenum

 
   
 

begründet 1700

   

   
   
   
   
   
    Aktuell
     
   

     
   
Veranstaltungen am 09. & 10. Februar 2012

Neuer Veranstaltungsort: (Anfahrt siehe hier)
Mathilde-Jacob-Platz 1, 10551 Berlin, Rathaus Tiergarten

Klasse Naturwissenschaften:
10.00 Uhr, BVV-Saal
Prof. Dr. Rudolf Herrmann (Berlin):
Auf dem Weg zum absoluten Nullpunkt

Prof. Herrmann (75) ist Physiker und Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 2011. Nach dem Studium an der Humboldt-Universität Berlin, der Promotion (1964) an der Staatlichen Moskauer Universität, der Habilitation (1968) am Institut für Physikalische Probleme bei Peter Kapitza in Moskau wurde er 1968 zum Dozenten und 1970 zum ordentlichen Professor für experimentelle Physik an der Humboldt-Universität berufen. Als Gastprofessor weilte er 1992 bis 1993 an der Universität 7 (Pierre et Marie Curie) in Paris und 1993 bis 1996 an der Ritsumeikan-Universität in Kyoto, außerdem seit 1994 als Berater und Mitarbeiter beim Konzern HORIBA, Ltd. in Kyoto.
Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Gerätebau GmbH bzw. im Institut für angewandte Photonik e.V. in Berlin-Adlershof.

Die Idee vom absoluten Temperatur-Nullpunkt ist so alt wie die Leibniz-Sozietät: In den 90-er Jahren des 17. Jh. fand der französische Physiker Guillaume Amontons heraus, dass bei -240 °C der Luftdruck null wird. Da es keinen negativen Druck gibt, musste die Temperatur nach unten begrenzt sein.
Faraday verflüssigte im 19. Jh. eine Reihe von Gasen und erreichte so immer tiefere Temperaturen. 1883 gelang es den polnischen Physikern Karol Olchewski und Zigmunt Wroblewski, die Luft zu verflüssigen. Sie stellten Sauerstoff und Stickstoff bei ca. -200 °C als wasserklare Flüssigkeiten her. Kurz darauf verflüssigte der Engländer James Dewar Wasserstoff und erreichte -259 °C, 14 K über dem absoluten Nullpunkt, der bereits von Lord Kelvin zu -273.15 °C gefunden worden war.
1908 gelang es dem Holländer Heike Kamerling Onnes, als letztes Gas Helium bei -268.9 °C zu verflüssigen. Helium blieb auch bei -272.5 °C, d.h. 0.7 K über dem absoluten Nullpunkt, flüssig. Peter Kapitza, Fritz London und Lew Landau fanden heraus, dass diese "Superflüssigkeit" ein bisher unbekannter Zustand der Materie, ein Bose-Einstein-Kondensat, ist.
Die nächsten Schritte zu tieferen Temperaturen waren die magnetische Kühlung von Spinsystemen und die Mischkühlung der Isotope He3 und He4 mit Temperaturen bis zu 2 mK. Entsprechende Mischkühler wurden von uns im Institut für angewandte Photonik e.V. in Adlershof für die Kühlung von supraleitenden Detektoren entwickelt und hergestellt. Mit der magnetischen Kühlung von Atomkern-Spins werden in der Physikalisch-technischen Bundesanstalt in Berlin Temperaturen bis zu 27 µK erreicht.
Seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden völlig neue Wege zu tiefen Temperaturen beschritten. 1995 erreichten Wolfgang Ketterle und die beiden Physiker Erik Kornell und Karl Wieman mit der Laser- und der Verdampfungskühlung, mit der ein Maxwellscher Dämon bemüht wurde, reine Bose-Einstein-Kondensate mit Temperaturen bis herab zu 1 nK.
Im Vortrag wird ein Überblick über diese spannende Entwicklung der Physik der tiefen Temperaturen über drei Jahrhunderte, von der Gasverflüssigung bis zur Bose-Einstein-Kondensation, gegeben. Die von Kamerling Onnes und Kapitza gefundene Superfluidität öffnete über die Bose-Einstein-Kondensation und den Atomlaser eine Tür zu einer völlig neuen, makroskopischen Quantenwelt.


Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften:
10.00 Uhr, Balkonsaal
Dr. oec. habil. Ulrich Busch (Berlin):
Zur Rolle der "Finanzindustrie" in Wirtschaft und Gesellschaft

Dr. Busch (61) ist Volkswirtschaftler mit besonderem Interesse für Geld- und Finanztheorie sowie Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 2009. Nach der Promotion (1976) an der Humboldt-Universität zu Berlin war er im Bankwesen leitend tätig. 1984 habilitierte er sich und wurde 1987 zum Hochschuldozenten berufen. Er lehrte und forschte auf volkswirtschaftlichem und finanzwissenschaftlichem Gebiet. Forschungs- und Lehraufenthalte führten ihn u. a. an die Wirtschafts-universität Budapest, das Rijksuniversitair Centrum Antwerpen und die Université de Vincennes-Saint-Denis (Paris VIII). Nach Lehrtätigkeit an der Frankfurt School of Finance & Management sowie Beratungstätigkeit in Banken war er zuletzt am Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin tätig sowie an der Universität Göttingen. Außerdem redigiert er das Journal Berliner Debatte Initial.

Unter "Finanzindustrie" versteht man die Gesamtheit der Banken und monetären Finanzinstitute (MFIs), die Versicherungswirtschaft, die Geldanlagegesellschaften, die Investmentfonds, Pensionsfonds, Finanzintermediäre, Schattenbanken usw., den Geldmarkt und den Kapitalmarkt sowie die hier tätigen Akteure, die Zentralbanken, die internationalen Finanzinstitutionen, Ratingagenturen, Finanzkontrolleure, privaten Geldverleiher, Münzhändler usf. Schon diese Aufzählung macht deutlich, dass es sich hierbei in der Tat um so etwas wie eine "Industrie" handelt, auch wenn das Finanzsystem und die Industrie gewöhnlich als gegensätzliche Bereiche, als dichotome Protagonisten der Geld- bzw. der Realsphäre, wahrgenommen werden. In den zurückliegenden 100 Jahren hat sich hier viel verändert. Die Bedeutung des Finanzsektors ist nicht nur gewachsen; inzwischen dominiert dieser die entwickelten Volkswirtschaften und seine Verwertungslogik, ausgedrückt in der Formel G-G', bestimmt die der Gesamtwirtschaft. Die Größe selbst einzelner Institute erreicht mitunter die Wirtschaftskraft ganzer Staaten oder übertrifft diese sogar wie in Island, Irland, Großbritannien oder der Schweiz. Ohne die zielbestimmenden, den Reproduktionsprozess vermittelnden und zahlreiche Dienstleistungen hervorbringenden Aktivitäten der Banken und Finanzinstitutionen funktioniert heute keine Wirtschaft mehr. Die Finanzindustrie erweist sich damit nicht nur für die Weltwirtschaft als fundamental. Von ihrer Leistungskraft und Stabilität hängt das Wohl und, wie die jüngste Krise offenbart, die Existenz ganzer Staaten ab. Die Kehrseite der Effizienz des Finanzmarktkapitalismus ist jedoch seine Krisenanfälligkeit und systemische Ungewissheit und Unsicherheit, welche nicht nur die Wirtschaft, sondern die Gesellschaft insgesamt betrifft.

Plenum:
13.30 Uhr, BVV-Saal
Dr. Jürgen Hamel (Bartelshagen):
Maria Magdalena Kirch - eine Berliner Astronomin. Ihr Leben und ihr Kampf mit der Berliner Akademie

Dr. Hamel (60) ist Astronomiehistoriker und Mitglied der Leibniz-Sozietät seit 2001. Viele Jahre war er Abteilungsleiter an der Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow und zeitweise Mitarbeiter am Museum für Astronomie und Technikgeschichte in Kassel. Er ist ein international bekannter Autor zahlreicher Bücher und wissenschaft-licher Arbeiten zur Geschichte der Astronomie sowie Herausgeber einer astronomiehistorischen Schriftenreihe, "consulting member" der Internationalen astronomischen Union und anderer Gesellschaften.

Am 18. Mai 1700 wurde der Astronom Gottfried Kirch als erstes Mitglied der Berliner Akademie berufen. Mit ihm siedelte seine Ehefrau Maria Magdalena von Guben nach Berlin um. Sie assistierte ihrem Mann bei astronomischen Beobachtungen und bei der Berechnung der Kalender der Akademie, der wichtigsten Geldquelle der "Societät". Nach Kirchs Tod 1711 übernahm Frau Kirch die Herausgabe mehrerer Kalender, die in Nürnberg und Breslau erschienen. Ihre Beobachtungen führte sie jedoch vorwiegend an der Sternwarte des Bernhard von Krosigk in der Mauerstraße aus.
Als Frau war ihre Stellung an der Akademie stets problematisch. Als sie 1702 einen Kometen entdeckte, erschien diese Entdeckung in den gedruckten Publikationen als die ihres Mannes. Und nach dem Tod ihres Mannes suchte das Konzil der Akademie nach Mitteln und Wegen, um Frau Kirch aus dem Umfeld der Akademie zu entfernen - ihr den Zutritt zur Sternwarte zu verwehren und sie aus ihrer Wohnung im Akademiehof zu verdrängen. Die Archivalien zeigen ein bedrückendes Bild des Umgangs mit einer gelehrten Frau.


10. Februar 2012
Arbeitskreis Gesellschaftsanalyse: 15.00 Uhr, BISS e. V., Pettenkoferstr. 16-18, 10247 Berlin
Dr. oec. habil. Ulrich Busch (Berlin):
Zur Bedeutung einer Auseinandersetzung mit dem Finanzkapitalismus für die Transformationsdebatte

zurücktopvor  
[ Index | Sozietät | Veranstaltungen | Publikationen | Stiftung | E-Mail ]
Aktualisiert am: 06.02.2012