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Gert Blumenthal, Detlev Möller
Zum
Dialog über Zukunftsenergien
15. Februar 2001
1. Die menschliche Gesellschaft steht vor einer ihrer folgenschwersten
Entscheidungen:
Sie muß eine neue Energiebasis wählen. Diese muß so beschaffen
sein, daß mit ihr den jetzt Lebenden wie auch den kommenden Generationen
ein Leben in Gesundheit und Würde gewährleistet werden kann.
Dieser Übergang bedeutet eine tiefen Einschnitt in das gesamte Leben
der Gesellschaft und trägt alle Züge einer Revolution. Das wird
von immer breiteren Kreisen so gesehen. Dafür seien nur zwei Zeugnisse
angeführt:
- Der Bericht des Club of Rome 1991 trägt den Titel "Die globale
Revolution" (1).
- Hans Kronberger sagte: "Der Übergang zur Versorgung mit Alternativenergien
ist
eine Revolution im klassischen Sinne! Revolutionen sind immer vom Volk
ausgegangen.
Es ist dabei keine Zeit zu verlieren!" (2)
2. Nicht eine einzige Energiequelle ist für sich allein zukunftsfähig.
Jede Energiewandlungs-vorrichtung belastet in unterschiedlichem Ausmaß
die Umwelt und damit das menschliche Leben. Es muß diskutiert, untersucht
und verglichen werden, welche Energiewandler am längsten nutzbar
und am wenigsten umweltbelastend sind, welche also das Prädikat "sustainable"
verdienen.
3. Diese Entscheidung ist dringlich, in erster Linie nicht darum, weil
die fossilen Energieressourcen in relativ kurzer Frist erschöpft
sein werden, sondern in wahrscheinlich noch schärferem Maße
deswegen, weil ein menschenwürdiges Leben auf unserem Planeten in
immer gefährlicherem Grade durch die Abfälle unserer Technik
bedroht ist. Hier meinen wir in erster Linie die Treibhausgase, die z.T.
schwer abbaubaren Emissionen der chemischen Industrie, die ständig
umfangreicher dispergierten Schwermetalle wie auch die radioaktiven Emissionen
der Kerntechnik.
4. Die hier angerissene Problematik ist von hoher Komplexität und
greift nicht nur in das Leben der gesamten Gesellschaft ein, sondern betrifft
vor allem die kommenden Generationen. Darum dürfen der Gedankenaustausch
darüber und die zu fällenden Entscheidungen nicht allein Naturwissenschaftlern,
Technikern und Politikern überlassen bleiben. Vielmehr ist auch auf
das Wort der Ärzte, der Geisteswissenschaftler und der außerwissenschaftlichen
Öffentlichkeit, wie Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, NGOs
und der Kirchen, zu berücksichtigen.
Wissenschaftler und Techniker sollten eine ihrer vornehmsten Aufgaben
darin sehen, die Bevölkerung ehrlich und rückhaltlos über
alle eventuellen Risiken technischer Entwicklungen zu informieren und
darüber hinaus den erforderlichen Sachverstand und die Urteilsfähigkeit
der Bevölkerung zu mehren.
5. Die Thematik wird inzwischen stark emotionalisiert behandelt, und die
Teilnehmerschaft ist polarisiert. Das behindert und verzögert in
gefährlicher Weise die notwendige Meinungsfindung. Der Physiker und
Einstein-Schüler David Bohm regte an, von der Diskussion zum freien
Dialog überzugehen. "Der Dialog ist im Unterschied zur Diskussion
freier, elastischer, spielerischer und zielloser. In ihm soll nicht ein
Standpunkt durchgesetzt, sondern vielleicht etwas Neues gefunden werden.
Guter Wille und Freundschaft sind vonnöten. Jeder Beteiligte hält
seinen Standpunkt gewissermaßen in der Schwebe". (3). Wir schließen
uns dem an. Dieser Dialog kann erfolgreich sein, wenn seine Teilnehmer
sich von der Ethik des "Prinzips Verantwortung" (4) leiten lassen.
Um diese komplexe Thematik auch in der Leibniz-Sozietät bearbeiten
zu können und weil wir glauben, daß die Leibniz-Sozietät
auf Grund ihrer Interdisziplinarität in hervorragendem Maße
dazu geeignet ist, leitete der Eine von uns (G.B.) vor mehreren Monaten
dem Hern Vizepräsidenten einen Vorschlag zu, in der Sozietät
einen Arbeiskreis "Solarzeitalter" zu bilden. Der Vorstand nahm
in seiner Sitzung vom 7. September 2000 Kenntnis davon (5). Inzwischen
hat der Arbeitskreis seine Tätigkeit aufgenommen.
Literatur
(1) Alexander King, Bertrand Schneider, "Die globale Revolution,
ein Bericht des Rates des Club of Rome", Spiegel spezial Nr. 2 /
1991
(2) Hans Kronberger, Inforadio, 4. Juli 1999
(3) David Bohm, F. David Peat, "Das neue Weltbild; Naturwissenschaft,
Ordnung und Kreativität", Goldmann-Verlag München 1990,
S. 249
(4) Hans Jonas, "Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für
die technologische Zivilisation", 4. Auflage, Suhrkamp 1998, 413
Seiten
(5) LEIBNIZ Intern, 4/2000, S. 1.
Suchbegriffe: Energieressourcen, Treibhausgase, Kerntechnik, Nachhaltigkeit,
David Bohm,
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