Generative Phonologie

 

Im engeren Sinne Bezeichnung für den Regelapparat, der im Rahmen von Chomsky, Aspects und SPE lautliche Aspekte des Sprachsystems in ihrem Verhältnis zu lexikalischen, syntaktischen und semantischen Informationen erfasst.

In der Generativen Phonologie stellen sog. distinktive Merkmale das Inventar minimaler Beschreibungskategorien dar; zugrundeliegende abstrakte lexikalische bzw. syntaktische Formen werden mittels extrinsisch und intrinsisch geordneter Regeln (>Extrinsische Regelordnung) phonologisch interpretiert und in phonetische Varianten überführt.

Der Regelapparat der Generativen Phonologie selbst wird hierbei als von nicht-phonologischen Komponenten des Sprachsystems autonom erfassbar postuliert.

Das in SPE entwickelte Modell wurde von W. U. Wurzel (1970) auf das Deutsche angewendet. Die Diskussion in der Folgezeit ist einerseits wesentlich von der Unterscheidung zwischen lexikalisch-phonologischen und nicht-lexikalisch-phonologischen Prozessen geprägt (sog. Lexikalische Phonologie, >Distributed Morphology), andererseits bezieht sie sich auf das Verhältnis segmentaler Merkmale (z.B. Stimmhaftigkeit usw.) und suprasegmentaler Phänomene (z.B. Silbenstrukturierung) zueinander.

Alternativ zur Generativen Phonologie wurden diverse Auffassungen über die Natürlichkeit phonologischer und morphologischer Prozesse entwickelt. Neuere Ansätze der generativen Phonologie integrieren optimalitätstheoretische Zielsetzungen in ihre Modellierung (vgl. Calabrese 2005; Nasukawa 2005).

 

Literatur

M. K. Brame (Hg.), Contributions to Generative Phonology. Austin 1972.

A. Calabrese, Markedness and Economy in a Derivational Model of Phonology. Berlin 2005.

N. Chomsky, Aspects of the Theory of Syntax. 1965.
[dt.: Aspekte der Syntax-Theorie. Übersetzt v. E. Lang. Frankfurt/Main 1968.]

– Ders. & M. Halle, The Sound Pattern of English. New York 1968. [SPE]

J. E. Copeland, A Stepmatricial Generative Phonology of German. Den Haag 1970.

J. Durand, Generative and Non-linear Phonology. London 1994.

J. Goldsmith (Hg.), The Handbook of Phonological Theory. Oxford 1995.

J. B. Hooper, An Introduction to Natural Generative Phonology. New York 1976.

M. Kenstowicz, Phonology in Generative Gramar. Cambridge, Mass. 1998.

J. Local et al. (Hg.), Phonetic Interpretation. Cambridge 2003.

K. Nasukawa, A Unified Approach to Nasality and Voicing. Berlin 2005.

I. Roca, Generative Phonology. London 1994.

W. U. Wurzel, Studien zur deutschen Lautstruktur. Berlin 1970.

 

Verweise

Natürliche Phonologie

 

© Norbert Fries, Online Lexikon Linguistik. Berlin 2006 ff.
http://fries.anaman.de

last modified: Thu 22-Nov-2007