Grammatikalisierung

 

engl. grammaticalization; frz. grammaticalisation

 

Auf A. Meillet zurückgehende Bezeichnung für diachrone wie synchrone sprachliche Prozesse, bei welchen sich Lexeme oder syntaktische Einheiten zu spezifischen morphologisch-syntaktischen Strukturen verfestigen und zu grammatischen Paradigmen ordnen, d. h. bei welchen sich eine stabile Verbindung zwischen einer oder mehreren Bedeutungen und einer oder mehreren morphologischen oder syntaktischen Einheiten herausbildet.

Zentrale Annahme ist hierbei, dass die Grammatikalisierung ein gradueller Prozess ist: Der Vorgang der Anreicherung grammatischer Funktionen und der Eingliederung in bestehende grammatische Paradigmen geht einher mit einem allmählichen Verblassen der Bedeutung der betreffenden Lexeme und dem Verlust an prosodischer Autonomie.

Typische Grammatikalisierungen sind z.B. die Entwicklung von lat. mēns, mentem‚ 'Geist, Verstand' zum spanischen/italienischen Adverbsuffix -mente oder die Entwicklung von Hilfsverben, z.B. von lateinisch stare 'stehen' zu spanisch estar + Gerund (mit progressiver Aktionsart), von lat. habēre 'haben' zum spanischen Auxiliar haber, von engl. going to zu gonna (mit Zukunftsbedeutung).

Ob die bei dem Prozess der Grammatikalisierung beobachtbaren semantischen Veränderungen als semantische Verengung oder Erweiterung verstanden werden sollen, wird ebenso diskutiert wie die Frage, ob Grammatikalisierung (als so genannte Degrammatikalisierung oder Pragmatikalisierung) umkehrbar ist (vgl. Lehmann (2002)).

 

Literatur

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– Rez.: E. Fuß, The Journal of Comparative Germanic Linguistics 2007/10/1, S. 69-80.
– Weitere Arbeiten: [http://www.public.asu.edu/~gelderen/pub.htm]

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Verweis

Reanalyse

 

© Norbert Fries, Online Lexikon Linguistik. Berlin 2006 ff.
http://fries.anaman.de

last modified: Fri 22-Jan-2010

Fri 22-Jan-2010