Theta-Rolle

 

auch: θ-Rolle; nach dem griech. Buchstaben θετα 'theta', Abk. für 'Thematische Rolle'; auch: thematische Relation, Tiefenkasus

 

Auf Gruber (1967) zurückgehende, im Rahmen der Kasusgrammatik ausführlich diskutierte semantische Größe.

q-Rollen generalisieren semantisch-konzeptuelle Eigenschaften des zwischen einem Verb und seinen Ergänzungen bestehenden grammatischen Verhältnisses. Die einzelnen q-Rollen werden mit Begriffen wie Agens, Patiens, Thema, Quelle, Ziel, Experiencer, Instrumental (2) expliziert; z.B. schreibt man in Sätzen wie

Ihn graut vor Eva.
Eva ängstigt ihn.
Er fürchtet Eva.

den syntaktischen Einheiten ihn, er gleichermaßen die q-Rolle Experiencer zu.

Das Konzept der q-Rollen zielt darauf ab,
(a) q-Rollen in ihrer Anzahl zu begrenzen,
(b) die von einzelnen Verben geforderten q-Rollen aus ihrer Bedeutung zu erschließen und
(c) die syntaktische Realisierung von q-Rollen (ggf. aufgrund universaler Prinzipien) vorherzusagen.

Im Rahmen der >EST und ihrer Folgemodelle erhielt die Diskussion um q-Rollen durch die auf der Basis des >Projektionsprinzips erfolgte Einführung >Leerer Kategorien in die syntaktische Strukturbeschreibung eine zentrale Bedeutung:

In einer mit >Leeren Kategorien versehenen Struktur ist unklar, ob strukturell angesetzte und ggf. mit einer leeren Kategorie besetzte Positionen als Argumente eines Verbs interpretiert werden dürfen oder nicht. Die entsprechenden Regularitäten werden durch die sog. q-(Rollen-)Theorie generalisierend erfasst, auf welche wiederum andere Komponenten (>Bindungstheorie, >Kontrolle) bzw. Mechanismen (z.B. >Bewegung) der betreffenden >Modelle zurückgreifen:

Das sog. q-(Rollen-)Kriterium besagt, dass jeder q-Rolle genau ein >Argument eines entsprechenden Prädikats entsprechen muss und umgekehrt. Dem q-(Rollen-)Kriterium zufolge sind Sätze wie

(a) *Er graut ihn vor Eva. oder
(b) *Es schlafen.

ausgeschlossen:
(a) hat im Gegensatz zu

Es graut ihn vor Eva.

ein Argument zuviel, da es keine q-Rolle repräsentiert,
(b) hat ein Argument zu wenig, da es keine q-Rolle repräsentiert wie in

Es schlafen die Kinder.

Im Rahmen des Minimalismus wird das q-(Rollen-)Kriterium durch das Prinzip der vollständigen Interpretation (Principle of Full Interpretation, Generative Ökonomieprinzipien) ersetzt.

 

Literatur

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J. Gruber, Functions of the Lexicon in Formal Descriptive Grammar. Santa Monica 1967.

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[http://bieson.ub.uni-bielefeld.de/volltexte/2003/388/html/haertl.pdf]

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– Ders., CAUSE und CHANGE: Thematische Relationen und Ereignisstrukturen in Konzeptualisierung und Grammatikalisierung. Berlin 2001.

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© Norbert Fries, Online Lexikon Linguistik. Berlin 2006 ff.
http://fries.anaman.de

last modified: Tue 02-Nov-2010