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Studienbibliographie zur Neuskandinavistik

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2.3 Literaturtheorie und -methode


Nach einem Theoriedefizit der Literaturwissenschaft, das in der Nachkriegsepoche mit der dominierenden, sogenannten werkimmanenten Literaturinterpretation fast ein Vierteljahrhundert währte und vor allem auf ›Einfühlung‹ vertraute, kam es – und zwar nicht zufällig nach und seit 1968 – zu einigen heftigen Schüben einer Neubestimmung von ›Methoden‹ und ›Theorien‹ und ihrer Anwendung innnerhalb der Literaturwissenschaft. Allerdings bürgt weder das Wort ›Theorie‹ bereits für deren Homogenität, noch bürgt eine ›Methode‹ für unmittelbare Anwendbarkeit im Sinne eines Werkzeugs, zumal es sich oft um Adaptionen aus anderen Bereichen (Psychologie, Soziologie, Kommunikationsforschung, Philosophie etc.) handelt. Beide Begriffe bleiben zumindest als Klammer, Rahmen, Etikett praktikabel: Man ahnt (vielleicht), was gemeint sein könnte, nachlesen muß man es ohnehin im Detail.

2.3.1 Einführung in die Literaturtheorie

Im gleichen Maße, wie die Literaturtheorie für die Literaturwissenschaft an Wichtigkeit zunahm, verzweigte sie sich auch. Methodenpluralismus heißt das Phänomen, das nichts weiter besagt, als daß es keine Leittheorie (mehr) gibt, der sich alle anderen unterordnen würden. Der Preis, den man für einen solchen Pluralismus zahlen muß, ist eine gewisse Unübersichtlichkeit, der ›Einführungen in die Literaturtheorie‹ abhelfen können.

Hawthorn, Jeremy: Grundbegriffe moderner Literaturtheorie

[A Glossary of Contemporary Literary Theory; 1992.] Übers. v. Waltraud Kolb. Tübingen u. Basel: Francke, 1994. (= utb; 1756)

Hawthorn hat ein überaus praktisches Lexikon erarbeitet, das zentrale Begriffe der gegenwärtigen Literaturtheorie und der sie umkreisenden Debatten erläutert: von Adressat bis Zeichen, von Differánce über Negativität und New Criticism bis Verfremdung werden die entscheidenden ›Wenden‹ (linguistic turn, cultural theory) berücksichtigt. Ein Namensregister erleichtert die Herstellung von Zusammenhängen; in den einzelnen Artikeln wird dagegen auf die Bibliographie am Schluß verwiesen.


Renner,  Rolf Günter, u. Engelbert Habekost (Hg.): Lexikon literaturtheoretischer Werke

Stuttgart: Kröner, 1995. (= KTA; 425)

Sortiert nach dem Titel des Werkes, stellt dieses vorzügliche Nachschlagewerk ein Korpus von über 400 Texten aus dem Bereich der literaturtheoretischen Diskussion von der Antike bis heute vor, wobei der Schwerpunkt jedoch auf Werken des 20. Jh. liegt. Die einzelnen Artikel referieren Argumentation, Hauptgedanken und Wirkung des betreffenden Textes sowie geben knappe weiterführende Literaturhinweise (auch auf deutsche Ausgaben der Texte). Register nach Sachgebieten, Register nach Sachbegriffen sowie ein nach Autoren geordnetes Verzeichnis der besprochenen Werke am Schluß des Bandes.


Ein ausgestreckter Zeigefinger macht auf Werke aufmerksam, die sich besonders gut für Anfänger eignen und auch in jeder Bibliothek vorhanden sein sollten.

Eagleton,  Terry: Einführung in die Literaturtheorie

[Literary Theory. An Introduction; 1983.] Übers. v. Elfi Bettinger u. Elke Hentschel. 3. Aufl. Stuttgart: Metzler, 1994. (= SM; 246) [1. Aufl. 1988]

Derzeit die wohl beste Annäherung an die Theorie und bereits in dritter, unveränderter Auflage auf dem deutschen Markt verkörpert dieses Buch zugleich alle Tugenden angelsächsischer Einführungen: klar und ohne Umschweife in der Formulierung, mit dem Mut zur Wertung und zur Zusammenfassung. So fügt Eagleton etwa New Criticism, Strukturalismus und Semiotik zu einem Kapitel, ebenso Hermeneutik, Rezeptionstheorie und Phänomenologie, während der Psychoanalyse und dem Poststrukturalismus (Dekonstruktion) je ein eigenes gewidmet wird. Daß Eagleton aus einer dezidiert materialistischen (will sagen: marxistischen) Position heraus schreibt, macht auch das Schlußkapitel deutlich: es heißt ›Politische Kritik‹. Das Literaturverzeichnis berücksichtigt nur im Text erwähnte Arbeiten.


Bogdal, Klaus-Michael (Hg.): Neue Literaturtheorien. Eine Einführung

Opladen: Westdeutscher, 1990. (= WV studium; 156)

Zehn Kapitel behandeln: Michel Foucaults historische Diskursanalyse, Jacques Lacans strukturale Psychoanalyse, Louis Althussers symptomatische Lektüre von Ideologie, eine semiotisch orientierte Diskursanalyse, Bourdieus Kultursoziologie, neuere Hermeneutikkonzepte, literaturwissenschaftliche Rezeptions- und Handlungstheorien, Systemtheorie, feministische Literaturwissenschaft und Dekonstruktion. Anders als etwa Eagletons ($178) historisch einordnender und mehrere Ansätze kritisch zusammenfassender Überblick werden hier didaktisch gut aufgebaute Einzeldarstellungen gegeben, wobei es vor allem auf die verständliche Erläuterung zentraler Begriffe ankam. Bogdals einführendes Kapitel fragt nach Ursprüngen und Gründen für die ›Methodologisierung‹ der Literaturwissenschaft und die damit einhergehende Heterogenität sowie nach den Konsequenzen (z.B. daß es keinen ›privilegierten Standpunkt‹ mehr gibt). — Der Band wurde später ergänzt durch einen Bogdal›Applikationen-Band‹.


Hauff, Jürgen, u.a.: Methodendiskussion. Arbeitsbuch zur Literaturwissenschaft

Durchgeseh. u. ergänzte Aufl. 2 Bde. Ffm: Athenäum Fischer, 1972. (= Fischer Athenäum Taschenbücher Literaturwissenschaft)

Kimpel, Dieter, u. Beate Pinkerneil (Hg.): Methodische Praxis der Literaturwissenschaft. Modelle der Interpretation

Kronberg/Ts.: Scriptor, 1975. (= Scriptor Taschenbücher S 55 Literaturwissenschaft)

Bürger, Peter (Hg.): Vom Ästhetizismus zum Nouveau Roman. Versuche Kritischer Literaturwissenschaft

Ffm: Athenäum Fischer, 1975. (= Fischer Athenäum Taschenbücher Literaturwissenschaft)

Drei Bücher aus der Zeit eines neuen literaturwissenschaftlichen Aufbruchs, die nicht mehr an einer Perspektive festhalten, sondern bereits einen Methodenpluralismus diagnostizieren, wenn auch unter verschiedenen Vorzeichen und Schwerpunktsetzungen. Nach einer Orientierung über die Literaturwissenschaft seit 1967 (Stichwort Studentenrevolte) legt der von Kimpel und Pinkerneil herausgegebene Band das Gewicht auf sozialpsychologische Textanalyse, Rezeptionsforschung und Hermeneutik und beschreibt das Verhältnis zwischen Strukturalismus, Formalismus und Semiotik, teilweise anhand von Textbeispielen (Rilke, Brecht, Kafka, Heine). Auf stärker theoretischem Niveau werden bei Hauff vier Modelle eingehend reflektiert: Positivismus, Hermeneutik, Marxismus und Strukturalismus. Dagegen vertritt der von Bürger herausgegebene Sammelband eine explizit ›kritische Wissenschaft‹, die ihre Wurzeln in der Ideologiekritik der Frankfurter Schule hat, aber auch ihr Verhältnis zu Hermeneutik und Textlinguistik diskutiert.


Geier, Manfred: Methoden der Sprach- und Literaturwissenschaft

München: Fink, 1983. (= utb; 1227)

Geier nimmt den sogenannten ›linguistic turn‹ beim Wort und führt von der Sprachwissenschaft (de Saussure, Chomsky, Austin, Searle) zur Literaturwissenschaft, handelt also auch von der Bedeutung jener für diese. Sieben Methoden werden vorgestellt: Generative Sprachwissenschaft, Sprechakttheorie, Strukturalismus, Psychoanalyse, Hermeneutik, materialistische Literaturwissenschaft. Mit Walter Benjamins ›Sprachtheologie‹ schließlich wird zwar ein problematischer Begriff eingeführt, doch der immens gestiegenen Bedeutung Benjamins für die Literaturwissenschaft durch ein eigenes Kapitel Rechnung getragen. Auch wenn manches notgedrungen knapp ausfällt, ist der Band gerade als Propädeutik außerordentlich brauchbar – und vor allem: lesbar geblieben.


Eine Einführung in die Literaturtheorie aus dem Blickwinkel der Ästhetik bietet ZimaZima.


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